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hinan, den wir keuchend und pustend erklimmen. Oben angelangt, sehen wir von rechts die übrigen Züge der Kompagnie den Feind treiben, und nun kommt das Schönste: das Verfolgungsfeuer. Aber viel Treffer waren wohl nicht zu verzeichnen; denn wir waren so außer Atem, daß die Gewehre zitterten und schwankten. Dann schnell ein Sammeln, bei dem wir leider wahrnahmen, daß die Hälfte des Zuges geblieben. Zu Fuß geht's hinter dem schnellen Feinde her, da unsere Pferde wegen des schwierigen Geländes und des mörderischen Feuers nicht hatten nachgeführt werden können. Ungefähr zu derselben Zeit wurde der rechte Flügel des Feindes gestürmt und aufgerollt, in der Mitte rückte die Artillerie, trotzdem sie scharf beschossen wurde und große Verluste hatte, vor, und damit war der Tag entschieden: der Sieg war unser. Große Verluste hatte er dem Feinde gebracht, aber auch wir hatten schwere, bedauerliche Opfer bringen müssen, und während wir weiter vorgingen, suchten die Kameraden die Toten und Sterbenden oder Verwundeten. Bei der Wasserstelle Naris vereinigte sich die Abteilung, aber viele, viele fehlten. Vizefeldwebel Runk, der alte Burenkämpfer, Sergeant Litt (f am 5.), Unteroffizier Erdmaun, Reiter Koch, Müller (f) und Klose waren verwundet oder tot. Nachdem die Pferde getränkt waren, ging's weiter in Marschkolonne in der Richtung auf Rietmont, die Hauptwerft Hendriks. An der Pad hielt unser verehrter Führer; fest sah er uns, ohne ein Wort zu sprechen, an; fest erwiderten wir die Blicke. Wir hatten uns ausgesprochen. Und dann kam die Nacht. Halbwegs Rietmont machten wir halt, um uns für den nächsten Tag zu ordnen und zu restaurieren. Meine Kompagnie übernahm die Wache.
Eisig fegt der Wind über die Steppe; fröstelnd hüllen sich die deutschen Reiter in die nassen Woilachs, um einige kurze Stunden den Schlaf zu suchen, und dann, etwas gestärkt, neuen Gefahren und Strapazen, aber auch neuen Siegen und Ehren entgegenzugehen. Bei den Posten gespannteste Aufmerksamkeit; scharfe Anrufe wechseln mit Schüssen. Bei den Ochsenwagen leises Jammern und Stöhnen der Verwundeten und das Geräusch der in den Jochen stehenden, wiederkäuenden Ochsen. In weiter Ferne heulen die Schakale. Und über alledem liegt beängstigend und finster die Nacht.
K. Schnehage,
ehemals Sergeant 4. Komp. 2. Feldregts. der Kaiser!. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika.
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Der Heldentod der Leutnants von Heydebreck und Schmidt bei
Alurissontein.
27./28. November 1904.
Wir waren für eine kurze Zeit in Warmbad stationiert, als eines Tages von Buren gemeldet wurde, Hottentotten schmuggelten an der Grenze. Am 24. November 1904 wurde zur Untersuchung dieser Angelegenheit eine Patrouille unter Führung des Herrn Leutnants von Heydebreck dorthin entsandt.
Gleichzeitig ordnete der Herr Hauptmann vonKoppy eine Patrouille nach Ramans- drift an, in welcher sich Herr Leutnant Schmidt in seiner Eigenschaft als Gerichtsoffizier befand, der mehrere Leute und ich zugeteilt waren. Nachmittags 4 Uhr brach dieselbe von Warmbad auf und kam nach einem anstrengenden nächtlichen Ritt, nur unterbrochen durch eine Ruhestunde, am andern Morgen 10 Uhr in der Station an. In Ramansdrift trafen wir die vorausgegangene Patrouille des Herrn Leutnants von Heydebreck, welche abkochte und neue Kräfte sammelte. Dieser Patrouille wurde nun Herr Leutnant Schmidt mit mehreren Kameraden, unter denen auch ich war, zugeteilt.