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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Gestärkt und mit frischem Mut ritten wir morgens 2 Uhr (25. Nov.) ab, um in kommender Nacht wieder in Warmbad einzutreffen. Es war ein äußerst beschwerlicher Weg, der vor uns lag. Hin­weg über felsige Berge, durch schauerliche Schluchten, umlauert vorn Feinde. Und doch leuchtete die Be­geisterung aus allen Augen; lustig und frei, der Gefahr spottend, ritten wir weiter, bis die Pferde fast nicht mehr fortkonnten. Dann näherten wir uns einer Wasserstelle (Norda), und freudig eilten wir auf dieselbe zu. Aber die Hoffnung war ver^ gebens; wir mußten weiter, ohne uns gelabt zu haben. Das Wasser war schlecht und verbreitete einen üblen Geruch. Ohne Aufenthalt galoppierten wir bis zur nächsten Wasserstelle in Sandfontein, wo dann endlich die armen Pferde erfrischt wurden und wir eine Portion Reis verzehrten.

Nach zweistündiger Rast saßen wir wieder auf und ritten neu gestärkt weiter bis zum Ein­bruch der Dunkelheit. Gegen 7,30 Uhr, ungefähr 200 Meter von der Wasserstelle von Aluris- fontein, wurde aus einem Hinterhalt, zwei Meter rechts von uns, eine Salve, etwa 25 Gewehre, auf uns abgefeuert. Herr Leutnant Schmidt und mehrere Pferde stürzten getroffen tot zu Boden. Wir übrigen der Patrouille sprengten nach links und verschanzten uns auf einer Anhöhe, Vvn welcher die obere Flüche ungefähr zehn Meter Durchmesser hatte. Während der Nacht war ich zum Pferdehalten kommandiert. Morgens gegen 4 Uhr krachte auf der andern Seite des Gefechts- fcldes ein Kanonenschuß, und das Gefecht wurde wieder­aufgenommen. Ich wurde von dem Feinde bemerkt, meine Stellung war unhaltbar. Ich versuchte, die Pferde zu koppeln, als das Pferd, mit welchem ich in dem Moment beschäftigt war, durch eine Kugel in den Kopf vor mir zusammenstürzte. So war ich genötigt, mit einem Sprung in die Schanze zu meinen Kame­raden zu gelangen. Wir erhielten von allen Seiten so fürchterliches Feuer, daß es unmöglich war, uns zu retten. Wir verteidigten uns, so gut es ging, in vier­stündigem, ununterbrochenem Feuern. Unser tapferer Herr Leutnant von Heydebreck machte uns, trotz seiner schweren Verwundung am rechten Oberschenkel, auf die Lage des Feindes aufmerksam und spornte uns fortwährend zu frischen: Mut an. Unser Anerbieten, ihn zu verbinden, lehnte er ab. Als er nach kurzer Zeit, seines zerschmetterten Oberschenkels nicht achtend, den Kopf etwas über die Schanze erhob, um sich noch mehr zu

Leutnant van Heydebreck -p.

Leutnant Schmidt -j-.