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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Unteroffizier Köhler und Gefreiter Schulz retteten ein Geschütz, das ich schon verloren glaubte, Leutnant Freiherr Sentier von Lötzen kämpfte verzweifelt um ein anderes Geschütz, und Oberleutnant Lauteschläger bediente ein Geschütz fast allein und schmetterte die Angreifer zurück. Unteroffizier Müscher, Gefreiter Andres lagen erschossen neben dem Geschütz. Leutnant Rath verbrachte Wunder an Energie und Mut, bis auch er zusammenbrach. Doch als auch Oberleutnant Lauteschläger einen Schuß bekam, raffte er sich auf und übernahm die Führung der Batterie. Nachmittags wurde eine Pfütze entdeckt, und mit Wonne tranken wir das lehmige Wasser. Als aber spät abends gemeldet wurde, der rechte Flügel des Feindes räume die Stellung, da erwarteten wir mit Durst und Ungeduld den Morgen des 4., d. h. den An­griff auf die Wasserstelle. Kaum konnten wir uns noch auf den Füßen tragen. Als dann der Befehl zum An­griffe kam, trat neues Leben, neue Hoffnung ein.

Mit dem Bajonett ging's drauf, und die letzten Granaten wurden hineingeworfen in den hartnäckig kämpfenden Feind. Als aber die Hottentotten erkannten, daß selbst verdurstende deutsche Streiter mit verzweifeltem Mute draufgingen, entflohen sie mit wildem Geschrei die Wasserstelle war genommen.

Aber die Leutnants Zwicke und Nath ruhten nicht, bis auch die letzten drei Granaten den Flüchtigen noch Verderben brachten.

54 Stunden waren wir im Kampfe, und in welchem Kampfe! Aber der Sieg war unser! Für Kaiser und Reich hatten wir gestritten.

Freilich hatten wir schwer gelitten: 4 Offiziere, 18 Mann tot, 5 Offiziere, 42 Mann verwundet, 3 vermißt. Aber der Feind ließ allein 70 Tote zurück. Das waren die Tage von Groß-Nabas.

Bietet ein Kampf mit wilden Völkern auch unsägliche Schwierigkeiten, kann es sich doch jeder als eine hohe Ehre anrechnen, sein Blut eingesetzt zu haben zum Wohle des Vaterlandes.

Willy Lorenz, früher Gefreiter der 5. Batterie.

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Gegen Morenga.

i.

Ehre dem braven Gefreiten Pelka.

Es war nach den blutigen Tagen von Narudas und Kofis am 9., 10. und 11. März 1905, nach der Zersprengung der Hauptmacht des Hottentottenführers Morenga, als der Gefreite Pelka mit noch sieben Mann der Ersatzkompagnie 4a von dem Führer der letzteren beauftragt wurde, nach der Wasserstelle Kraikluft resp. Wasserfall zu marschieren und Proviant zu empfangen und der in einigen Tagen folgenden Kompagnie entgegen­zubringen. Der wenige Proviant, den jeder Mann bei sich trug, sowie derjenige, den

Gefreiter Will» Lorenz.

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