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daß etwa acht Schüsse unmittelbar neben mir in den Klippen gesessen haben. Die Hottentotten hatten mich wohl daran erkannt, daß ich keinen Patronengurt trug. Nicolaus und Lebendig taten, als ob ich zu Tode verletzt sei, wollten mich tragen und benahmen sich ganz dramatisch. Inzwischen war der erste Schmerz vorüber, ich sah, daß das Gelenk kaum gefaßt sein konnte, und hatte tatsächlich kein anderes Gefühl, als das der Genugtuung über die Verwundung. Hinter der Höhe waren unterdes zwei Verwundete (mit leichten Lungenschüssen) niedergelegt, und während der Arzt diese verband, legte mir Nicolaus sein Verbandpäckchen auf die Wunde. Da mir der Arzt absolute Ruhe empfahl, gab ich das Kommando an Hauptmann Rembe ab, weil Hauptmann Baumgärtel zu weit entfernt war und mir gemeldet wurde, daß Ermekeil sich den Fuß verstaucht habe. Dann legte ich mich hin. Lebendig^) war rührend, zog seinen Rock aus, um ihn mir als Kopfkissen zu geben, gab mir Rum und Brot und tat, als ob ich nie wieder aufstehen würde. Von Ruhe war nicht viel die Rede. Einmal hatte ich gerade beim Liegen starke Schmerzen, dann konnte ich mich auch nicht enthalten, Anordnungen für das Gefecht zu geben. Um 8,30 Uhr stand ich wieder auf, ging in die Schützenlinie zurück und übernahm wieder das Kommando. Mit Rembe, Ermekeil und einigen anderen Offizieren und Mannschaften stand ich auf einer erhöhten Klippe in der Schützenlinie, und sofort pfiffen uns wieder die Kugeln um die Ohren. Einem Unteroffizier wurde der Hut verschossen, und wir alle drückten uns schleunigst. Die Lage war um diese Zeit folgende:
Am linken Flügel stand die 4. Kompagnie, deren linker Flügelzug in der Schlucht. Nach rechts folgte die 6. Batterie. Jenseit der Schlucht stand Ersatzkompagnie 1a. Auf dem rechten Flügel der Batterie und dem linken der Ersatzkompagnie 1a war es mit den die Schlucht aufwärts dringenden Hottentotten zum Nahkampf mit Bajonett und Kolben gekommen?) Die L.ErsatzkomPag- nie war auf sehr starken Feind gestoßen und zu- weit nach Norden gekommen. Der Batterie hatte ich schon um 8Uhrvergeb- lichLeuchtpistol- zeichen gegeben, mit dem Feuern aufzuhören, da ich fürchtete, daß mir meine Leute totgeschossen würden. Ich gab jetzt der 4. Kompagnie den Be-
1) Lebendig war der stete Begleiter des Majors Maercker bet allen Unternehmungen, Erkundungen und Märschen. Der stets unerschrockene Bursche sorgte mit Aufopferung und Selbstentsagung für feinen Herrn und war dazu ein äußerst findiger Reiter. Er wurde später Unteroffizier in der Stabswache des Oberstleutnants von Estorff.
2) Fähnrich von Wentzel hatte sich mit Hurra auf einige in den Felsen überraschte Hottentotten geworfen und sie niedergemacht; dabei fiel Sergeant Groß, Unteroffizier Winzer wurde verwundet.
Sergeant Grotz, Gesreilen Schmidt und Lebendig.