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Pad, sondern oben auf dem Rande zwischen dem tiefeingeschnittenen Auobrivier und den Dünen. Blitz auf Blitz erhellte die stockfinstere Nacht, während wir schweigend hintereinander ritten, scharf auf jedes verdächtige Geräusch achtgebend. Wir mochten ungefähr zwei Stunden geritten sein, als plötzlich ein Windstoß vor uns ein Feuer entfachte, in dessen Schein wir etliche Bockies stehen sahen. Dann hörten wir auch Stimmen. Im Galopp machten wir linksum und sprengten die Dünen entlang; denn der Zweck unserer Patrouille war nur, die Verbindung der beiden Kolonnen Deimling und Meister zu suchen, die bereits acht Tage nichts voneinander wußten. Gegen 10 Uhr war der erste Halt; der Leutnant fragte jeden: „Geht Ihr Pferd noch?" Natürlich sagte jeder ja, denn zurück will keiner, da wir uns bereits in der Nähe des Feindes befinden. Dennoch kommandiert der Leutnant einen Gefreiten der 8. Feldkompagnie, der mit den dreien, welche schlappe Pferde haben, umkehren muß. Wir ritten Weiter, immer vorsichtig ausspähend. Gegen 12 Uhr früh am 8. sahen wir plötzlich fünf Feuer hoch auf den Dünen. Der Leutnant vermutete, daß es Signalfeuer wären, um die sich die im Gefecht zersprengten Hottentotten wieder sammelten. Sobald wir näher kamen, hörte man auch Geschrei und Musik. Wir bogen links aus und ritten im Galopp vorbei. Morgens um 7 Uhr machten wir wieder halt, ließen die Pferde etwas grasen ohne abzusatteln und wollten uns Kakao kochen.
Einer hatte ein Kochgeschirr, aber Wasser keiner,
Brot auch keiner, außer dem Leutnant, der dann auch ehrlich mit uns teilte. Wir wollten eben den inzwischen fertig gewordenen Kakao trinken.
Plötzlich meldete Unteroffizier Müller: „Es kommen 20 Berittene aus dem Rivier heraus!"
Wir in den Sattel! Schon hörten wir Geschrei; die Hottentotten, welche jedenfalls eine größere Truppe vermuteten, trieben schon ihre Ochsenwagen die entgegengesetzte Höhe hinauf.
Kaum waren wir 1000 Meter davongaloppiert, als die berittenen Feinde auch schon den Rand erreicht hatten; aber unser Vorsprung mag ihnen wohl zu groß gewesen sein, sie folgten nicht weiter. Und das war mein Glück. Ich hätte sonst daran glauben müssen, denn mein Gaul konnte nicht mehr. Die Patrouille mußte mich zurücklassen, und mir blieb nichts übrig, als meinen Schecken im Schneckentempo vor mir herzutreiben. Wenn das die Kerle gewußt Hütten! Nachmittags 2 Uhr kam ich halb verdurstet in Kalkfontein auf die Heliographenstation, wo ich auch meine Patrouille wiederfand; von dort war Verbindung nach Stamprietfontein, wo die Abteilung Meister lag; so war jetzt unser Auftrag erfüllt. Aber wir hatten doch einen Mann verloren. Einer von den dreien, die nachts umkehren mußten, wurde zwei Tage darauf tot aufgefunden.
Unterosfizier Georg Weber.
Georg Weber,
Unteroffizier der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Dettingen.