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„Vor uns brannten 3V Feuer!"
Gefecht bei Leukop-Bisseport, 19. Mai 1905.
Am 13. Mai 1905 kam von unserm Hauptmann Anders, der nach dem etwa ^Kilo- meter entfernten Dawignab (hier lagen außer dem 2. Zug unserer 11. Kompagnie noch zwei Gebirgsgeschütze der 9. Batterie unter Hauptmann Winterfeldt) geritten war, der Befehl, daß eine Patrouille von 22 Mann mit zehntägiger Verpflegung nach Hasuur über Dewenischpütz, Plattbeen, Kais abgehen soll, um einen für unser Detachement bestimmten Pferdetransport, den Hauptmann Siebert von Keetmannshoop aus leitete, in Empfang zu nehmen und nach Dawignab zu bringen. Leutnant vonDetten war als Patrouillenführer bestimmt. Ich war als Sanitätsunteroffizier der Patrouille zugeteilt. Da wir sehr wenig Pferde hatten, wurde der größte Teil der Patrouille mit Maultieren beritten gemacht, deren störrisches Wesen sehr oft zu unfreiwilligen, komischen Vorfällen Veranlassung gab. Am 13. Mai rückte denn die Patrouille von Hudab ab. Wir ritten am 13. bis nach Sonnenuntergang und lagerten an der Pad; heute durften wir noch Feuer anmachen. Am 14. rückten wir über Dewenischpütz und Plattbeen in der Richtung nach Kais vor. Nichts ließ auf die Nähe von Hottentotten schließen. Ungefähr 5 Kilometer südwestlich Kais ließ Leutnant
von Detten haltmachen; die Tiere wurden gefesselt und weideten in nächster Nähe des Lagers. Wir wachfreien Leute legten uns, den Sattel als Kopfpolster, wie schon so oft, zur Ruhe nieder; denn mit Tagesgrauen sollte der Ritt weitergehen. Am 15. wurden wir von der Wache geweckt. Kaum 1000 Meter vor uns brannten zirka 30 Feuer, die nur von Hottentotten herrühren konnten, da der nächste Militärposten, eben unser Detachement, 80 Kilometer entfernt war. Sergeant Nagel und Gefreiter Groth*) schlichen sich ans feindliche Lager und brachten die Meldung, daß es eine Bande von 180—200 gut bewaffneten Hottentotten war, die viel Vieh bei sich hatte. Wir wunderten uns nach dieser Nacht oft, daß unsere Maultiere, die gewöhnlich, wenn sie etwas hören, in ein
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Skizze Ses Gefechts bei Leukvp, 19. Mai 1905.
') Gefreiter Groth, später zum Unteroffizier befördert, starb anfangs 1906 im Lazarett Ramans- drift an Typhus.