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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Ein dichter Heuschrcckcnschwarm verdunkelte Sie Gegend/

Leute des Maschinengewehrzuges wurden verwundet. Der Gegner ging wohl aus der ersten Schanzenstellung zurück, aber dicht dahinter lag eine zweite, noch stärker verschanzte Stellung. Beim Eindringen in die feindliche Stellung war der Hauptmann Kirchner tödlich verwundet worden. Beim Versuch, seinen Hauptmann zurückzutragen, fiel der Sanitätsgefreite Brüstle. Inzwischen war es 6 Uhr geworden. Immer mehr wurde es klar, daß der Gegner die so viel schwächere Abteilung zu umzingeln versuchte. Ein Maschinengewehr war sogar ge­zwungen, nach rückwärts zu schießen, um einem von rückwärts drohenden feindlichen Angriff entgegenzutreten; bei den weiter rückwärts stehenden Fahrzeugen wurde ein feindlicher Sturm­anlauf mit der blanken Waffe abgewiesen. Oberleutnant Freiherr Grote gab der Artillerie den Befehl, alle verfügbaren Kanoniere in die Schützenlinie zu schicken. Auch die Reihen der braven Kanoniere waren arg gelichtet, Reiter Wandel und Schlenz gefallen, Leutnant Wolfs und mehrere Unteroffiziere und Reiter verwundet, auch Leutnant d. R. Beer- mann war verwundet. Die Gesamtverluste betrugen 12 Tote und 28 Verwundete. Das Feuer wurde nunmehr gegen Einbruch der Dämmerung schwächer, auch beim Feinde, der ebenfalls starke Verluste erlitten hatte. Nur die beiden Maschinengewehre konnten, dank ihrer großen Patronenzahl, das Feuer bis zum letzten Augenblick aufrechterhalten, was nicht wenig zur Hebung der Zuversicht der tapferen Truppe beitrug. Oberarzt Hoffmann und ein Sanitätsnnter- offizier der Maschinengewehr-Abteilung walteten unermüdlich ihres schwierigen Amtes, welches durch gänzlichen Mangel an Wasser und auch sonstigem Sanitätsmaterial ganz bedeutend erschwert wurde. Bis gegen Mitternacht dauerte der Kampf noch fort, dann verstummte das Feuer gänzlich. Nachdem die Toten und Verwundeten geborgen waren (letztere mußten, da die Sanitätswagen bei Kofis zurückgeblieben waren, auf die Protzen und Lafetten der Batterie und Maschinengewehre geladen werden), trat das Detachement gegen 1 Uhr morgens den Rück­marsch auf Kofis an. Beim späteren Überschreiten des Gefechtsfeldes von Aob wurde den für Deutschlands Ehre gefallenen tapferen Kameraden ein schlichtes Holzkreuz als Denkmal gesetzt.

Freiherr Grote,

Oberleutnant in der Maschinengewehr-Abteilung 9.