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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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149
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Für tot gehalten

Der Tag von Aob.

10. März 1905.

Ich gehörte dem 1. Pionier-Bataillon an und trat am 5. November 1904 zur Schutz­truppe über. Am 9. Dezember landeten wir in Swakopmund, wurden aber dann sofort weiter nach Lüderitzbucht eingeschifft. Dort achttägige Ruhe, dann Weitermarsch über Kubub auf Keetmannshoop. Ich gehörte der 10. Kompagnie unter Oberleutnant von Stockt an.

Schon während des Vormarsches hatte ich das Unglück, bei einem Patrouillenritt am Löwensluß mein Pferd zu verlieren nicht durch dort vielfach gespürte Löwen, sondern infolge zu heftigen Trinkens. Es zitterte anfangs heftig ging nicht vorwärts, und auf die Frage des Patrouillenführers, Sergeanten Hübner, wer bei mir zurückbleiben wolle, meldete sich freiwillig der Reiter Reuter, Bursche des Leutnants Fürbringer. Da ich hoffte, daß mein armes Pferd sich wieder erholen würde, sattelten wir dasselbe ab und schlugen uns etwa 100 Meter seitwärts in die Büsche, während die übrigen ins Lager zurückritten. Nachdem wir auch das Pferd meines Kameraden vom Sattelzeug befreit, wickelten wir uns in unsere Woilachs (die Nächte find im Gegensatz zu den heißen Tagen immer empfindlich kühl) und versuchten zu schlafen. Ich träumte gerade schön von daheim, als wir plötzlich durch unruhiges Schnaufen und Stampfen des Pferdes gestört wurden. Und dann begann ein Konzert, das ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Durch das Geschrei und Gekreische von allerhand Tieren tönte schauerlich das widerliche Geheul der Schakale, die durch mein sterbendes Pferd schon angelockt worden waren. Mit dem Schlafe war es natürlich vorbei. Gegen Morgen nahmen wir ein Bad und füllten, da unser Essenkaie" (alle) war, gehörig unsere Wassersäcke, natürlich auch unsere Magen. Hierbei wurden gewöhnlich die Augen zugedrückt, damit man das vielerlei Gewürm, das schon möglichst beiseite geschaufelt wurde, beim Trinken nicht sah. An den Weg zurückgekehrt, fanden wir mein Pferd leider verendet und mußten nun zu Fuß das Lager zu erreichen suchen, das Pferd Reuters mit den Sätteln hinter uns herführend. Gegen 10,30 Uhr vormittags trafen wir glücklich wieder ein, während die Patrouille abends 11,30 Uhr bereits zurück war.

Unvermutet traf jetzt Hauptmann Kirchner mit zwei Gebirgsgeschützen auf Station Huns ein. Die Kompagnie von Stockt wurde sogleich geteilt, und Hauptmann Kirchner erhielt von uns zwei Züge überwiesen. Letzterer hatte bereits feindliche Spione wahrgenommen und orientierte

_und Iah, wie er plötzlich mit seinem Pserde stürzte,"

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