150
uns deshalb über Gelände, Verhalten vor dem Feinde und den Kameraden gegenüber, sowie über die verantwortungsvollen Viehposten und feuerte uns mit beredten, zündenden Worten an. Abends, um 6 Uhr, brachen wir auf, unter Vorausschickung der Spitze und der üblichen Verbindungsleute.
So ging es nun einige Tage hindurch. Am siebenten Tage stießen wir auf ein Flüßchen, wo nach Wasser gegraben wurde. Hauptmann Kirchner wies wiederholt auf die Nähe des Feindes hin. Ein Posten wollte abends denn auch Licht in der Ferne gesehen haben und meldete dies meinem Zugführer Leutnant Fürbringer. Dieser beobachtete hierauf scharf gemeinschaftlich mit Hauptmann Kirchner; uns wurde größte Ruhe empfohlen, auch dursten wir kein Feuer mehr anzünden. Als wir am frühen Morgen dem Lager kaum den Rücken gekehrt hatten, da war es unser Abteilungsführer selbst, der durch sein Glas in Richtung auf die Karrasbcrge bei Aob feindliche Reiter erspähte.
Die Karrasberge waren das Ziel, wohin die Truppe auf Anordnung des Oberst Deimling bis zum 11. März gelangen mußte, an welchem Tage der gemeinschaftliche Angriff auf die Baude Morengas stattfinden sollte. Aob ist die Bezeichnung eines Berges oder vielmehr des hinter demselben liegenden Wasserloches; von dem Vorhandensein des letzteren erfuhr die Abteilung leider erst später. Hätte sie es gleich gekannt, wäre vielleicht nach dem Gefechte der Rückzug wegen Wassermangel unterblieben, und der Feind gänzlich aufgerieben worden. — Gerade die leidige Wassernot ist es, welche oft die völlige Ausnutzung eines errungenen Sieges durch Verfolgung des Gegners vereitelt. Den nach einem längeren Gefechte erschöpften Soldaten kann die schwere Arbeit des Wassergrabens nicht mehr zugemutet werden, und so darf sich der Führer mit seinen Truppen in unbekanntem Gelände nicht aufs Geratewohl von der letzten Wasserstelle entfernen.
Am 10., also schon einen Tag früher wie beabsichtigt, kam unsere Abteilung bei Aob an, bedingt durch die gewonnene Fühlung mit dem Feinde. Unser allverehrter Leutnant Fürbringer, ein bewährter Spitzenführer, ließ sich diesen verantwortungsvollen Posten nicht nehmen und war somit immer als erster voran. Um ein Abschneiden der Spitze zu verhüten, sicherten wir uns stets durch Seitenpatronillen. Mir wurde die Auszeichnung zuteil, für gewöhnlich die rechte Seitenpatrouille zu haben, während mein Kamerad Reuter die linke hatte. Da jeden Augenblick ein Zusammenstoß erfolgen konnte, ermähnte uns unser Leutnant noch, tüchtig „dreinzuhalten".
Es war am 10. März 1905, 3,15 Uhr nachmittags, als Reuter eine Bergspitze erklomm. Ich konnte ihn von der gegenüberliegenden Höhe beobachten und sah, wie er plötzlich mit seinem Pferde stürzte und von demselben herabfiel. In demselben Augenblicke fielen von drüben auch schon einige Schüsse, und glaubte ich zunächst, Reuter wäre getroffen worden. Glücklicherweise war dies jedoch noch nicht der Fall, er konnte sich wieder aufrappeln, eilte zurück und meldete 200 bis 300 Hottentotten, zu der Bande Moreuga gehörend. Sein Gaul war spornstreichs ins feindliche Lager gerannt. Ich konnte von den schwarzen Teufeln nur vereinzelte sehen, weil die zerklüüewv Felsen ihnen ungezählte natürliche Festungen boten, bemerkte aber durch das