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Einschlagen von Kugeln in meiner Nähe, daß ich bereits gefeben worden war, und galoppierte deshalb zur Spitze, was gleich ein starkes Feuern des Feindes veranlaßte. Wir warfen uns nieder und erwarteten, fortwährend feuernd, unser Gros. — Ein eigentümliches Gefühl ist es doch, wenn man das erstemal im Leben die todbringenden Geschosse vorbeipfeifen hört. Wie eine Ernüchterung von der unwillkürlichen Aufreguirg wirkte es aber, als ich plötzlich einige Schritte von mir einen Kameraden aufschreien höre, den ersten Schwerverwundeten; ihn hatte ein Schuß von der Seite quer durch beide Fußsohlen getroffen. Jetzt wurde ich vollständig gleichgültig der Gefahr gegenüber und nahm mir einen nach dem andern der schwarzen Gesellen aufs Korn. Einige der zunächst Anstürmenden hatte ich schon glücklich „erledigt", da sehe ich zufällig, wie gar nicht weit von mir hinter einem Felsstück ein Kopf auftaucht und ein Gewehr vorgeschoben wird. Zum Unglück war mein Karabiner gerade leergeschossen. Ich will schnell laden, um mir auch diesen Kunden, der es auf mich abgesehen hatte, kaufen zu können. Ich habe mich jedoch kaum auf die linke Seite gelegt und die Ladebewegung mit dem rechten Arme gemacht, als ich auch schon einen stechenden Schmerz in der rechten Seite fühle und der Karabiner meinen Händen entfällt. Gleich darauf bekam ich fürchterlichen Durst, was meinen Leutnant Fürbringer veranlaßte, mir seine Feldstasche zuzuwerfen. (Gott lohne es ihm, er sollte ihrer leider auch nicht mehr bedürfen!)
Ich konnte noch wahrnehmen, wie Oberleutnant z.S. Schneider von S.M.S. „Habicht" (ein freiwilliger Teilnehmer an diesem Gefechte, der sich im Norden der Kolonie mehrfach ausgezeichnet hatte) unseren zweiten Halbzug heranbrachte, da der erste unsere Spitze bildete. Weiter hörte ich, wie Oberleutnant z. S- Schneider meinen Leutnant frug, ob er (Sch.) nicht lieber die Führung übernehmen solle, da Leutnant Fürbringer kolossal angestrengt war. Letzterer hatte sich selbst mit einem Karabiner bewaffnet und getreu seiner uns gegebenen Ermahnung fortwährend tüchtig „dreingehalten", und zwar mit gutem Erfolge, da er ein ausgezeichneter Schütze war. Mit den Worten: „Ich danke dir, lieber Freund, ich führe selbst weiter!" lehnte er das Anerbieten ab und stürmte jetzt an der Spitze unseres Zuges auf den Feind los, nachdem er mir noch kurz ein Adieu zugerufen hatte.
Jetzt wandte sich Oberleutnant z. S. Schneider zu mir, schnitt mir das Zeug vom Körper und verband mich notdürftig mit meinem Verbandpäckchen, unter Zuhilfenahme seines eigenen. Soviel er feststellen konnte, war der Schuß in die rechte Seite eingedrungen und zur linken wieder hinausgegangen, so daß ich stark blutete. Nachdem mein eigentlicher Retter sich in Eile meinen Namen notiert und einen Posten bei mir aufgestellt hatte, stürmte auch er mit einem Adieu weiter. Der Posten deckte mich zu, da ich fror, und brachte mich in eine bequemere Lage. Ich hörte noch ein furchtbares Geschützfeuer und verlor dann die Besinnung. — Mein Schlaf muß aber wie ein ewiger erschienen sein; denn in der Annahme, ich sei tot, hatte mich der Posten verlassen und auch vorschriftsmäßig als tot gemeldet — um bald darauf selbst den Heldentod zu finden. Gegen 10 Uhr war ich jedoch durch das Geschützseuer und das fürchterliche Geschrei und Gewimmer um mich her erwacht, selbst von den wütendsten Schmerzen gepeinigt. In meiner Verzweiflung sehnte ich eine erlösende Kugel herbei, doch sie kam nicht, und zu meinem Glück; denn ich bin, was die Ärzte zuerst kaum annehmen konnten, von der geradezu furchtbaren Verwundung genesen. Leise flüsternd nur konnte ich dem wackeren Oberleutnant z. S. Schneider danken, der sich meiner in selbstloser Nächstenliebe gleich nach dem Gefechte wieder erinnerte und mich durch sechs Mann auf einen Ochsenwagen tragen ließ.
Die Verwundeten wurden gesammelt, die Toten in Zeltbahnen gewickelt und vorläufig mit Felsstücken bedeckt, damit die Tiere nicht herankonnten. Hauptmann Kirchner hatte man mit einem Brust- und Kopfschüsse tot aufgefunden, ebenso Leutnant Für bring er mit einem Kopfschüsse.
Es wurde nun wegen Wassermangel mit drei Ochsenwagen voll Verwundeter der Rückmarsch noch Kofis angetreten, wo ein Arzt die 29 größtenteils schwer Verwundeten, welche