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getroffen. Durch Herrn Hauptmann Kliefoth war der Kriegszustand über den Nordbezirk verhängt worden. Alles war in freudiger Erregung.
Am 13. Januar ging dann die Patrouille ab. Unser Hauptmann selbst führte sie. Ein Geschütz (6. 73) ging mit, dann 50 Reiter. Der Rest blieb mit schwerem Herzen zu Hause. Den ersten Abend hielten wir in Okatoweni, einer Farm, ungefähr 18 Kilometer von Outjo. Hier ruhten wir unter strömendem Regen des Nachts, nur in unsere Zeltbahnen gewickelt. Am Morgen ging s dann weiter, und des Mittags lagen wir ohne Wasser in der glühenden Hitze. Am 15. Januar 1904 kamen wir an eine alte verlassene Hererowerft, wo wir bis zum 16. Januar liegen blieben. Hier liefen uns am hellen Tage unsere Rößlein infolge eines Schusses weg, jedoch nach zwei bis drei Stunden hatten wir sie alle wieder, und sie wurden nun des Nachts in einen Kral gesperrt.
Um 3 Uhr morgens ritten wir ab von diesem Platz. Einige Erregung machte sich schon bemerkbar. Waren doch schon zwei Pferde des Nachts zugelaufen, die jedenfalls den Hereros ausgerückt waren. Wir hatten sie einstweilen annektiert. Um
6,30 Uhr kamen wir durch ein Flußbett, welches mit Gras bewachsen war; es reichte
uns bis an die Knie. Unsere Pferde verschwanden ziemlich in diesem üppigen Graswuchs. Naß waren wir, als wären wir aus dem Wasser gezogen. Um 7 Uhr kamen wir auf Otjitasu (Okanjande) an, welches den Tag vorher Wohl erst von den Hereros mit Weib und Kind verlassen war. Unser Hauptmann setzte gleich einige Reiter auf die Spuren, um sie zu verfolgen. Gedachten wir sie doch einzuholen, was uns auch gelang. Um 8 Uhr sahen wir Rauch vor uns auf dem Wege. Nach einigen Minuten kamen wir denn auch an die Feuerstelle, die ein Posten der Hereros die Nacht innegehabt hatte, der jetzt aber ausgerissen war. Einige Kerle liefen auch noch in der Nähe herum. Sie wurden gleich durch eine
Patrouille geholt. Durch diese erfuhren wir nun, daß die Hereros mit dem Dütschmann
„Orlog" machen wollten. Wir ritten noch ungefähr 10 Minuten, als uns aus einem sehr dichten Gebüsch ein heftiges Feuer empfing. Auch Lärm machten die Kerle, als wollten sie einen fressen. Alles war natürlich gleich herunter von den Pferden, und der erste Zug, unter Leutnant von Stülpnagel, schwärmte links vorn Wege, der andere Zug, unter Feldwebel Glatzel, rechts. In der Mitte hielt der Hauptmann hoch zu Roß neben dem Geschütz. Wie wir das Feuer aufgenommen und einige Schüsse in die Dornen gesandt, verstummte das Feuer etwas. Die Hereros zogen sich zurück auf ihre Werft, die etwas frei und auch erhöht lag. Man sah einige Lehmhäuser — Pontoks —, die den Eingeborenen als Wohnung dienten. Ich war rechte Seitenpatrouille für die Pferde, die zusammen hinter der Kompagnie nachgeführt wurden. Sprungweise ging nun die kleine Abteilung vor, bis wir eine etwas erhöhte Stelle trafen, von wo wir das Gelände, hauptsächlich die Werft und das Haus vom Kaufmann Dinter, gut übersehen konnten.
Die Hereros hatten sich nun in Hütten und hinter Klippen verborgen, von wo aus sie uns mit ihren „Blauen" bedachten. Sie hatten jedenfalls noch viele Vorderlader; denn wenn mal so 'ne Kugel oder Schraube — was es war — geflogen
Sergeant Hermann Ratzow.