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kam, hörte es sich an, als käme ein „Maikäser" geslogen, und wir machten noch unsere Witze hierüber.
In einem Hause hatten sich die Hereros ganz besonders festgesetzt. Es war das größte, welches sich am Platze befand, außer dem Dinier sehen Hause.
Unser Hauptmann befahl, das Geschütz auf diese stark besetzte Hütte zu richten, und mit Granaten zu laden. Nach einigen Sekunden sauste denn auch so'n Brummer hinüber in die „gute Stube". Unsere Artilleristen hatten gut getroffen; denn, als hätten sie Feuer unter den Sohlen, trabten die Insassen aus der Werft. Nur einige, die noch immer das Feuer heftig erwiderten, blieben zurück. Jetzt befahl der Hauptmann: „Sturmangriff!" und verschwunden war der Feind von seinem Platze — nach ungefähr Zuständigem Gefecht.
Leider hatten wir einen Schwerverwundeten. Der Feldwebel Glatzel hatte einen Schuß — Bleigeschoß im Oberschenkel (Knochenschuß) — erhalten, außerdem hatten wir mehrere tote und verwundete Pferde und Maultiere. Von den Hereros fanden wir drei Tote und einige alte Gewehre. Die Verwundeten hatten sie jedenfalls mitgenommen. Die Gewehre, die wir nicht mitnehmen konnten, wurden demoliert.
Dann ging die Reise zurück, nachdem wir die Feinde noch verfolgt hatten. Wir hatten seit dein vorigen Tage nichts gegessen. Der Kaffee in der Feldflasche war längst alle, und nun brannte die Sonne wieder heiß auf den Rücken. Auch die Pferde dursteten. Um 2 Uhr kamen wir wieder in Otjitasu (Okanjande) an, und jetzt kam die schwerste Arbeit vom ganzen Tag. Ein Wasserloch war da, aber es war mindestens 10 bis 12 Bieter tief, und mußte alles mit Futter- beuteln geschöpft werden. Erst um 7 Uhr abends waren wir fertig mit dem Tränken und konnten
Hauplmanii a. T. von Fran^oiS s.
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NUN auch au uns denken. Unser Hauptmann Kliefoth hatte jedoch schon für seine Kompagnie gesorgt; denn als wir heraufkamen zum Lagerplatz, war unser „Moncoria" — Reis — schon fertig; wir brauchten nur zu essen und dann auf unseren noch sehr frischen Lorbeeren auszuruhen. Die Ruhe dauerte indes nicht lange; denn um 11 bis 11,30 Uhr wurden wir alarmiert, und um 3 Uhr morgens stand die ganze Abteilung schon wieder Vorposten.
Hermann Ratzow,
ehem.Sergeant derKaiserl.Schutztruppef.D.-Südwsstafrika, z. Zt. Hoheupieritz.
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Bei der Ostabteilung.
Wer das Glück gehabt hat, im Februar und März 1904 in Südwestafrika die heißen Gewaltmärsche bei jener Abteilung zu Fuß mitmachen zu dürfen, dem schwindet die Erinnerung daran nicht leicht aus dem Gedächtnis. Galt es doch zu jener Zeit, den Hereros den Weg nach der Ostgrenze zu verlegen und sie zu verhindern, die eigenen und die geraubten Viehherden über die deutschenglische Grenze zu treiben. In 18 Marschtagen legte die Ostabteilung, bei deren Stab ich mich damals befand, rund 500 Kilometer in afrikanischer Hitze und auf afrikanischem Boden in schwierigstem Buschgelände zurück, ohne einen