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Marschkranken zurückzulassen. Sie erreichte es durch diese außergewöhnlichen Marschleistungen, daß sich die Hereros nach der Mitte des Landes zusammenschlössen. Wohl hatte die bei unserer Abteilung befindliche kleine, berittene Schar in steter Aufklärung versucht, mit dem schnellen und behenden Gegner Fühlung zu erlangen, aber immer vergebens. Selbst eine weitgehende, bis zum Eiseb gerittene Patrouille, in den letzten Febrnartagen 1904, hatte nicht vermocht, den Gegner festzustellen. Endlich, am 9. März, waren wir auf die Spur der zurückgehenden Hereros gestoßen und, diesen folgend, bis Onjatu gelangt. Hier aber mußte gehalten werden, um der Fnßtruppe Ruhe zu gönnen. Von unserer Mannschaft — bei jeder Kompagnie hatten wir zirka 40 Rekruten, welche überhaupt noch keine Rekrutenbesichtigung mitgemacht hatten — hatte bis dahin keiner versagt, jedenfalls ein famoses Zeichen von Pflichttreue.
Die Zwischenzeit sollte zu einer größeren Erkundung benutzt werden, um mit der in Okahandja stehenden, aber noch nicht marschbereiten Hauptabteilung die Verbindung aufzunehmen und anderseits festzustellen, ob die Hereros weiter nach Norden, nach dem Waterberg, ziehen würden, oder aber in den Onjatibergen standhalten wollten. Für diese Zwecke war eine Abteilung von 11 Offizieren und 39 Mann (erstere mit Gewehren bewaffnet) zusammengestellt. Ich führte die mit Proviant, Munition und Sanitätsmaterial beladene Karre, zur Bedeckung derselben gehörten sieben unter meinem Befehl stehende Seesoldaten.
Am 13. März 1904, 6 Uhr vormittags, brachen wir von Onjatu aus, unsere Reiter
trabten flott voraus in Richtung Otjikuara und von hier auf
Owikokorero.
Meine Karre, mit zehn guten Treckochsen bespannt und unter Bedeckung der genannten Seesoldaten, folgte, und wir erreichten gegen 10,30 Uhr vormittags eine kleine Bley, wo Mittagsrast gehalten wurde. Von hier aus wurde in der bisherigen Marschformation, Spitze, rechte, linke Seitendecknng, dahinter die Erkundungsabteilnng und meine Karre, weiter- marschiert. Im weiteren Vormarsch verloren wir die antrabende Kolonne bald aus den Augen und folgten der großen sich durch den dicken Busch windenden Straße auf Owikokorero.
So weitermarschierend, erreichten wir gegen 6 Uhr abends eine größere Lichtung und hörten bald darauf heftiges Infanterie- feuer von dort herübertönen. Nach dem Schall zu urteilen, schien das Gefecht zu stehen. Ich ließ meine Karre, so schnell unsere Ochsen und die Bedienungsmannschaften lausen konnten, links vorn Wege ab in der Fenerrichtung vorrücken, da ich nach dem schweren Feuer annahm, daß die Abteilung in heftigem Gefecht stand, und meine sieben Seesoldaten eine wertvolle Hilfe sein konnten.
Ich war kaum auf die Lichtung gekommen, als ich auch schon mit einem Blick
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Major von Glasenapp.