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Marine-LberaMenzarzt vr. Veiten s.
übersah, daß die Abteilung in schwerstein und verlustreichstem Gefecht stand. Nur Trümmer fochten noch gegen eine gewaltige Überzahl der Hereros, welche sich zusehends verstärkten. Von den zirka 30 im Gefecht befindlichen Offizieren und Leuten sah ich nur einige Verwundete, welche unter Major von Glasenapp im lebhaftesten Feuer der sie auf kurze Entfernung begleitenden und in dichten Scharen umklammernden Hereros in langsamstem Schritt zurückgingen, ab und zu haltend, und das Feuer aufnehmend. Überzeugt davon, daß von unserer kleinen Schar die Rettung der Verwundeten abhing, ließ ich meine Seesoldaten zur Aufnahme der Verwundeten im Busch ausschwärmen, und unversehens die sich ganz sicher wähnenden Hereros in beiden Flanken beschießen. So gelang es, die bereits umzingelten Reste der kleinen Abteilung zu retten und deren Verladen auf die Karre zu bewerkstelligen; das letzte war der schwierigste Teil unserer Aufgabe. Auf drei Seiten aus nächster Entfernung von den Hereros beschossen, mußte die schwerfällige Karre im Busch erst kehrtmachen, ehe wir die Verwundeten verladen und abfahren konnten. Kaum aber war dies geglückt, als beim Anziehen ein Hinterachse erschossen wurde, und wir von neuem 20 Minuten im heftigsten feindlichen Feuer halten mußten, ehe die Ochsen umgespannt wurden. Nur dem vorzüglichen Schießen und anhaltenden lebhaften Feuer meiner sieben Seesoldaten, welche sich außerordentlich brav benahmen, war es zu danken, daß die Hereros die Karre nicht stürmten. Bei ihrer Überlegenheit wäre es ihnen ein leichtes gewesen.
So kamen wir endlich, unter anerkennenswerter, energischer Hilfe des Gefreiten Fuhrmann, nach längerem Aufenthalt, ohne weitere Verluste zu erleiden, in Bewegung.
Aber der Marsch mit den Verwundeten durch den dichten Busch war äußerst schwierig und anstrengend. Alle Augenblicke saß die Karre fest, die zu Tode ermüdeten Tiere, welche den ganzen Tag unterwegs waren, waren kaum von der Stelle zu bewegen. Da hieß es anfassen, und alles, vom Führer bis zum jüngsten Soldaten, half die Karre vorwärtsschieben. Bei dieser Gelegenheit war es, wo ich, nachdem ich all den Fährnissen des Tages entgangen, beinahe tödlich verletzt wurde. Die über 15 Zentner schwere Karre überfuhr mir in der Dunkelheit das Bein, und nur dem tiefen Sandboden, in welchen mein Bein wie in eine Gußform hineingepreßt wurde, verdanke ich es, daß mir dasselbe nicht zermalmt wurde.
So wurde denn auch ich zu den Verwundeten in die bereits überladene Karre gelegt. Nach dreiwöchigem Krankenlager aber war ich so weit, um bereits wieder an dem schweren Gefecht von Okaharui teilzunehmen.
War es auch unserer kleinen Abteilung in dem Angriffsgefecht von Owikokorero nicht vergönnt, den Oberleutnant z. s. Stemve,