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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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185
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Bis 40 Ochsen müssen oft vor einen Ochsenwagen gespannt werden, um die 40 Zentner- ladung durch den metertiefen Sand und über die haushohenKlippen" zu schleppen. Doch damit nicht genug! Zu all den Schrecknissen der Wüste kommen noch die Wanderdünen, die sich zehn bis zwölf Kilometer von der Küste entfernt erheben und parallel dieser einen fünf bis zehn Kilometer breiten Sandwall bilden.

Diese Dünen sind etwas derart Eigenartiges, daß ich den Leser schon bitten muß, mich in Gedanken dahin zu begleiten.

Nach etwa zweistündigem Ritt von Lüderitzbucht reiten wir in die Dünen ein, und da es ein windstiller Tag ist, stören uns zunächst die zusammengewehten drei bis vier Bieter hohen Sandberge in keiner Weise. Nach etwa einer Viertelstunde verlieren die Dünen aber ihre Harmlosigkeit, das Gelände wird immer unübersichtlicher, ein Felsenberg schiebt sich vor den anderen, und die Hänge und Schluchten sind mit haushohen Dünen bedeckt, zwischen denen wir uns nur mit Mühe hindurchwinden.

Die Dünen steigen ausnahmslos von Südwest nach Nordost ganz allmählich an, um dann steil nach Nordostcn abzufallen. Blickt man über den obersten Rand wie über daS Visier eines Gewehrs nach dem ewig blauen Himmel, so sieht man, wie die oberen Sand­schichten von dem leisen Wind aufgewirbelt werden und dann den Steilabfall hinabrieseln, so daß sich der Dünenfuß ganz allmählich nach Nordosten zu verschiebt.

Ganz anders aber und sehr viel ungemütlicher wird die Lage, wenn der Südwcst- wind einsetzt und über den Sand braust, das ganze Gelände in eine graubraune Wolke ein­hüllend. Da wird uns der Sand mit solcher Gewalt in das Gesicht gepeitscht, daß die Wangen blutig werden und man kaum fünf bis zehn Schritt weit sehen kann. Bei solchem Sturm vollzieht sich das Wandern der Dünen natürlich viel schneller, aber immer in Rich­tung Südwest-Nordost, da die Stürme regelmäßig aus Südwest gehen.

Durch diese Berge mußten wir die Bahn legen, zu umgehen waren sie nicht.

Deutsche Reiter in Südwest. 25