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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Die eigentliche Trassierung begann unter Leitung des Leutnants Meier am Tage nach dem Geburtstage unseres Allerhöchsten Kriegsherrn (1904) und bestand darin, daß die Winkel­punkte der Bahnlinie mit Instrumenten gemessen, ein genaues Längennivellement ausgeführt und alle 100 Meter eine kleine Steinphramide errichtet wurde, die man mit bunter Farbe anstrich. Verpflegt wurden wir mit Hilfe kleiner Eselwagen, die zwischen Lüderitzbucht und den Arbeitsstellen hin und her gondelten.

In den Dünen haben wir etwa 14 Tage in zwei kleinen Zelten gehaust, und manches Projekt zum Überwinden der Sandberge ist hier aufgestellt und wieder verworfen worden. Schon glaubte ich, nicht ohne Tunnel- und große Brückenbauten auskommen zu können, da fand ich eines Tages bei meinen Erkundungsritten die Trümmer eines alten Ochsen­wagens, und hierdurch aufmerksam geworden, bald darauf eine Wagenspur in den Felsen angeschnitten.

Wir ritten den Spuren nach und erkannten bald ganz klar, daß wir uns auf dein Wege befanden, den früher die Frachtführergetreckt" sein mußten.

Diese hatten sich einen Felsengrat ausgesucht, der in einem nach Norden geöffneten Bogen die Dünen in ganzer Breite durchsetzt und fast ganz dünenfrei ist, da der Sand auf dem glatten Granitrücken nicht haften bleibt, sondern erst an dessen Fuß sich zu Bergen auftürmt. Der Weg war später anscheinend verlassen, da der Aufstieg auf den Felsen recht schwierig ist. Für die Eisenbahn war er aber die einzig mögliche Stelle, wo man einwand­frei durch die Dünen bauen konnte, und heute schon führt uns das Dampfroß diesen Weg entlang, durch die einst so gefürchteten Dünen. Nach Auffindung und Festlegung der Eisen­bahntrasse durch die Dünen war das Hauptproblem gelöst, wesentliche technische Schwierig­keiten fand man weiterhin nicht.

Dagegen wurden wir späterhin in der Gegend der Tsirubberge dauernd von bewaffneten Hottentottenbanden beunruhigt, die uns jedoch dank der großen Umsicht und

Gewandtheit des Leutnants Osiander, welcher die Arbeiten hier leitete, keine Verluste beifügen konnten.

Leider blieb es der Trnppe versagt, den Bau der Bahn auch selbständig durchzuführen. Innenpolitische Rücksichten führten vielmehr dazu, daß der Bahnbau erst im Dezember 1905 vom Reichstag bewilligt und dann der Firma Lenz L Co. übertragen wurde. Immerhin wird es die Eisenbahner stets mit Genugtuung erfüllen, daß sie für ein großes Kulturwerk die grundlegenden Vorarbeiten aufgestellt haben.

H.

Eine Erkundung in der Wüste.

Als wir im November 1904 in Lüderitzbucht eintrafen, hieß es dort allgemein, zwölf Neitstunden südlich des Platzes, etwa in Höhe des Postens 1, münde ein breites Flnßrivier, welches die Dünen nach Süden zu abgrenze, zum mindesten unterbreche. Auch auf den Kriegskarten, die uns dienstlich übergeben waren, war dort ein schöner blauer Fluß eingezeichnet, von dem die alten Afrikaner sogar Einzelheiten zu erzählen wußten Hauvtmann Schulz.. dagewesen war allerdings keiner.