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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Dünen gefunden hatten, stiegen Wagenführ und ich auf den höchsten Berg der ganzen Um­gegend den Amicis oder Stranßenberg und konnten an dem herrlich klaren Tage dort oben ganz deutlich erkennen, daß der braune Dünengürtel südlich Lüderitzbucht bis auf endlose Strecken nicht unterbrochen war. Ein betrübendes Ergebnis nach fechstägigen mühseligen Ritten, aber doch sehr wertvoll für uns es gab eben keinen anderen Weg durch die Dünen für die Bahn wie den längs des Baiweges.

Nun ging es heim. Unsern Führer hatten wir schon vorher entlassen, da er keine Ahnung vom Gelände hatte, die Soldaten warteten am Mecresstrand auf das Schiff, ich war mit Wagenführ und dem Reiter Antreem ganz allein geblieben.

Wir hatten uns auf dem Amicis unsere Marschrichtung den Albatrosfelsen südlich Lüderitzbucht genau gemerkt und eine Stelle ausgesucht, wo die Dünen verhältnis­mäßig schmal waren. Es war 1 Uhr mittags und glühend heiß, aber weshalb sollten wir warten; wir hatten" nichts zum Fressen und Saufen für die Pferde, Schatten gab es nirgends, da galt es, möglichst schnell heimkehren.

Doch wie so oft in Afrika, wurden wir auch dieses Mal durch die klare, durchsichtige Luft genarrt; die Dünenbreite, die wir aus wenige Kilometer geschätzt hatten, betrug niindestens 15 Kilometer, dabei waren die Sandberge so hoch und steil, daß wir erst beim Sonnenunter­gang aus dieser fürchterlichen Gegend herauskamen.

Was uns widerfahren wäre, wem, uns ein Sandsturm hier überrascht hätte, ist gar nicht auszudrillen. Ich bin fest überzeugt, daß wir dann in dieser Einöde verschüttet oder ver­irrt und verdurstet wären.

Kaum war der letzte Sonnenstrahl verschwunden, da war es auch schon Nacht und, seltsam für Südwest, kein Stern kam hervor, dichtes Gewölk bedeckte den Himmel.

Doch wir mußten weiter, wir hatten ja keinen Tropfen Wasser, und nichts zu essen. Zuerst ging es noch zu Pferde, aber bald mußten wir absteigen und die Tiere führen, man sah nichts mehr.

Schon lange hatten wir den kleinen Fußpfad ganz verloren und orientierten uns lediglich nach dem Kompaß.

Da tauchten helle Lichter in der Ferne auf, erst wenige, dann immer mehr, ohne Frage die Schiffe in unserm Hafen. Nun konnten wir nicht mehr fehlgehen, nur immer auf die Lichter zu.

Doch plötzlich wurde der Boden immer weicher, es war als ginge man aus einem Morast, wir ,nutzten sofort scharf rechtsum machen, wenn wir mit den Pferden nicht einbrechen wollten. Dann waren die Lichter auf einmal wieder verschwunden, und zuletzt wußten wir weder aus noch ein. Es blieb uns nichts übrig, als auf den Felsen liegen zu bleiben. Keinen Tropfen Wasser seit 20 Stunden!

Geschlafen haben wir nicht, nur immer nach Osten ausgeschaut, nach dem Aufgang der Sonne. Kaum wurde es hell, da kletterte ich auf den nächsten Berg und konnte zu unserer Freude feststellen, daß wir uns nur wenige Kilometer von Lüderitzbucht befanden, wir hatten die Hauptrichtung nicht verloren. Nur die Lichter hatten uns irregeführt: es waren nicht die Schiffe im Robertshafen, wie wir annehmen mußten, sondern die der russischen Kriegsschiffe gewesen, die während unserer Abwesenheit eingelaufen und draußen an der Diaz- spitze vor Anker gegangen waren.

Alan kann sich leicht vorstellen, welche Aufregung diese Flotte hervorrief: Die russische Flotte auf ihrer Fahrt nach den: fernen Osten in unserm Hafen.

Wir, die wir in eigener Kriegsnot uns wenig um die großen Ereignisse der übrigen Welt kümmern konnten, sahen uns Plötzlich ganz in den Russisch-Japanischen Krieg versetzt. Wir tauschten die üblichen Höflichkeiten mit den Russen, die draußen auf der Reede vor