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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Diesen Gerüchten und Angaben mußte ich natürlich auf den Grund gehen, denn wenn sie sich bewahrheiteten, hätte man die Bahn zunächst die Küste entlang führen können, wäre dann dem Rivier gefolgt und hätte damit die Dünen umgangen.

Den Umweg hätte man fraglos in den Kauf genommen.

Die Gegend südlich Lüderitzbucht ist gänzlich Wasser- und vegetationslos. Sollten also Erkundnngsritte hier Erfolg haben, so war eine kleine Expedition auszurüsten: 60 Fässer mit Trinkwasser, Ration und Verpflegung für sechs Mann und sechs Pferde auf zehn Tage wurden auf dieManila", eines unserer Depeschenboote, verladen und nach dem Posten 1 gebracht, hier in Brandungsboote eingeladen und an der Küste niedergelegt. Der Leutnant Wagenführ, die Reiter Prangs und Schuster begleiteten diesen Transport, der bei einem regelrechten Orkan ausgeführt werden mußte. Besorgten Herzens sah ich die kleine Nußschale um die Diazspitze verschwinden in das unbekannte, klippenreiche, überaus gefährliche Wasser. Nach 24 bangen Stunden kam aber das Boot mit der Meldung zurück, daß die Ladung glücklich übergebracht sei, worauf ich dann mit drei Reitern und einem uralten Hottentotten die alte Aujek" als Führer auf dem Landwege nach der verabredeten Landungsstelle aufbrach.

Der Sturm tobte noch immer ungeschwächt, belästigte uns jedoch in dem Felsengelände südlich Lüderitzbucht recht wenig; wir hatten vielmehr von Zeit zu Zeit ein herrliches Schauspiel vor Augen, wenn uns die Klippen einen Ausblick auf den tosenden Ozean gestatteten.

Um Mittag hatten wir das Felsen- gebirge hinter uns, vor uns lag die Eli­sabethbai, links ein in eine dunkelblaue Wolke eingehülltes Gelände. Das waren die vom Sturm aufgewirbelten Dünen, die hier direkt bis an das Meer herantraten; da mußten wir durch! Es folgten nun fünf Stunden, wie man sie in Europa gottlob! nicht zu durchleben braucht. Der heiße Sandsturm drohte uns zu ersticken und machte uns so blind, daß mir dieser Ritt in der Erinnerung steht, als habe ich ihn im Finstern gemacht. Böse, schwere Stunden, wo man die Zähne ordentlich aufeinander beißen muß.

Endlich, endlich erreichten wir den Meeresstrand, auf dem wir schnell entlang trabten und nach kurzer Zeit den Leutnant Wagenführ erreichten, der schon in banger Sorge nach uns ausgeschaut hatte.

Das kleine Depot war unmittelbar am Meere hinter einer Felsenklippe eingerichtet und lag so einzig schön, daß alle Mühsale und Strapazen bald vergessen waren.

Was gibt es Wohl Herrlicheres, als solch unendliche Einsamkeit und die Natur in ihrer jungfräulichen Unberührtheit! Nur ein klein wenig träumen und der Ozean zu deinen Füßen, an dessen Küste zahllose Schiffstrümmer angeschwemmt sind, erzählt dir die schönsten Märchen: von kühnen Seefahrern und entschlossenen Forschern, von harter Not und jähem Schiffbruch, von zertrümmerten Existenzen und rosiger Hoffnung.

Die folgenden Tage führten uns dann in ganz unbekannte Gebiete, die wohl noch nie eines Europäers Fuß betreten hatte. Unser Flußrivier fanden wir gar bald, aber es teilte das Los des ganzen Küstenstriches die letzten zehn Kilometer waren durch haushohe Dünen völlig abgesperrt. Am sechsten Erkundungstage, nachdem wir nirgends einen Weg durch die

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Leutnants Meier uno Oliander in Lüoeritzbucht.