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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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vorbereitet wurde, stellte Hauptmann von Koppy eine kleine Patrouille aus auserlesenen Mannschaften und Pferden (15 Deutsche und 3 Eingeborene) zusammen und unternahm schon am 29. Oktober den nicht ungefährlichen Ritt durch feindliches Gelände zur Befreiung der in Warmbad Eingeschlossenen, welche ihm schon am 1. November glücklich gelang. Die Kompagnie, welche mit dem Geschütz und der Wagenkolonne nicht sofort marschbereit war und nur langsam vorwärts kam, folgte am 1. November. Da die Gras- und Wasserverhält­nisse denkbar schlecht waren und der Weg meist durch gebirgiges und feindliches Gelände führte und auch die Ochsen unterwegs oft im Stich ließen, kam die Kompagnie natürlich nur Schritt für Schritt vorwärts und langte erst am 16. November in Warmbad an. Die Kompagnie, zirka 70 Weiße stark, wurde von Leutnant der Reserve Merensky geführt; ich befand mich bei derselben als einziger Arzt und außerdem noch der Vizefeldwebel der Reserve Landmesser Beermann. Unterwegs erreichten uns die schlimmsten Gerüchte über die Einnahme von Warmbad, vollständige Vernichtung der Abteilung von Koppy und dergleichen. Am gleichen Tage traf nach uns Graf von Kageneck mit Vizewacht­meister der Reserve Wulfs, Sergeant Müller, 22 Weißen und zirka 40 Witboois aus Gibeon bei unserer Kompagnie ein.

Bis hierher war somit alles über Erwarten gut gegangen, doch nun mußten weitere Vorbereitungen getroffen werden, um dem Feinde, der südlich von Warmbad sitzen mußte, entgegenzutreten. Ich übernahm unterdes die Behandlung der beiden Verwundeten eines Ansiedlers und eines Gefreiten, die mit Leutnant Jobst gekämpft hatten und ver­schiedener Kranken und richtete im unbewohnten Missionsgebäude ein Lazarett ein. Dann, nachdem alles bereitgestellt war, noch ein paar Zeilen an Weib und Kind gerichtet, die schweren Herzens in Keetmannshoop zurückgeblieben, und weiter ging es am 19. November, einem ungewissen Schicksal entgegen. Ein schwieriges Suchen in dem zum Teil romantischen, wildzerklüfteten Gelände begann. Einmal fanden wir in einem tief eingeschnittenen Talkessel die verlassene Werft einer feindlichen Abteilung, doch nichts vorn Feinde selbst. Am zweiten Tage ritt ich nachmittags in heißer Sonnenglut mit der Abteilung des allzeit fidelen Ober­leutnants Grafen von Kageneck nnd sprach gerade mit letzterem darüber, daß wir wohl auch an diesem Tage nichts vom Feinde sehen würden, als plötzlich von unsrer Spitzenpatrouille die Meldung eintraf:Sandfontein, der vor uns liegende, von Bergen ringsumgebene Wasserplatz, ist stark vom Feinde besetzt."

Das war eine Freudenbotschaft! Also in aller Eile dorthin! Menschen und Tiere waren durstig, wir brauchten daher Wasser, und dies war anscheinend in Feindeshand. Hauptmann von Koppy war mit der Hauptabteilung im weiten Bogen um die vor uns zur Linken liegenden und das Wasser beherrschenden Berge geritten, während ich mit Graf von Kagenecks Ab­teilung dicht an diesen Bergen entlang ritt. Wir be­fanden uns glücklicherweise im Trabe, als wir plötzlich von einer etwa 100 Meter entfernten hohen Felskuppe aus eine Menge Rauchwölkchen aufsteigen sahen und zugleich das so wohlbekannte Pfeifen vieler Kugeln um uns herum hörten. Daß nicht der größte Teil von uns siel, ist mir noch jetzt ein Rätsel. Graf von Kageneck und zwei Witboois stürzten sofort wie vom Blitz getroffen mit den Pferden, ebenso dicht vor mir

Oberstabsarzt Nr. Schövwinkel.

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