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der Sanitätsgefreite Thiede und ein Witbooi, doch keiner war verwundet, nur die Pferde tot.
Wie der Wind stieben wir nun nach allen Seiten auseinander, der größte Teil sprang von den Pferden, diese ihrem Schicksal überlassend, und suchte Deckung in Geländevertiefungen oder hinter Klippen, um nun das feindliche Feuer kräftig zu erwidern. Das Ganze war zunächst ein Bild großer Berwirrung. Doch bald hatte jeder seinen Platz gefunden, die herumgaloppicrenden gesattelten Pferde wurden von unsern Eingeborenen größtenteils zusammengetrieben; auch die Abteilung von Koppp griff in daS Gefecht ein, nachdem sie inzwischen ebenfalls von den vor ihr liegenden Höhen aus beschossen worden war. Der Feind hatte in langer Front die Höhen zu unsrer Linken und auch eine hohe Kuppe zur Rechten besetzt, so daß wir uns kurze Zeit im Kreuzfeuer befanden. Nachdem allmählich das Geschütz unter Vizewachtmeister der Reserve Wulfs trotz des tiefsandigen Weges herangezogen war, verließen die Feinde aus der rechts gelegenen Kuppe nach der dritten, gut sitzenden Granate in Heller Flucht ihre Stellung, während auf der linken Front daS Gefecht sich bis Sonnenuntergang hinzog und dann erst durch einen schneidigen Sturmlauf des Sergeanten Bruuner mit 16 Mann eine vor uns gelegene, durch größere Felskuppen gut gedeckte feindliche Stellung genommen wurde, wobei drei Kerle in unsre Hände sielen. Mit eintretender Dunkelheit kam endlich das Gefecht zum Stehen, und ein jeder legte sich, mit dem schußbereiten Gewehr im Arm, zu kurzem Schlaf nieder.
II.
Eine kühne Tat der Eingeborenen unter Sergeant Müller, am 20./21. November 1903.
Inzwischen war es dem Vizefeldwebel der Reserve Beermann mit einer kleinen Bedeckung gelungen, die Wagenkolonne, trotz feindlichen Feuers, ebenfalls an die Truppe heranzubringen. Da Menschen und Vieh dursteten, unternahm, trotz der Dunkelheit, Sergeant Müller mit den Gibeonern und Witbvois den Angriff aus die das Wasser beherrschende Hauptkuppe; teils kriechend, teils springend kamen diese Wackeren Schritt für Schritt vorwärts, und nachts 2 Uhr etwa ertönte das Hurra der Angreifenden wie eine Erlösung für alle, uns ein Zeichen, daß endlich die Kuppe ganz genommen war. Eine derartige Leistung in der Nacht war auch nur mit Hilfe der gewandten und scharfäugigen Eingeborenen möglich.
Am folgenden Tage, mit der Dämmerung, begann dann in breiter Linie der Angriff gegen die Hauptfront des Feindes, das Geschütz dabei mithelfend. Hin und wieder hörten wir einen getroffenen Kerl heulen, oder auch Weiber und Kinder, die hinter einer hohen Kuppe in Deckung fitzen mußten, jammern. Nach einem letzten Sturmlauf mit Hurra aus der ganzen Linie war gegen 10 Uhr vormittags der Feind aus allen Schanzen herausgeworfen; nur einen Toten fanden wir, die übrigen Toten und Verwundeten hatten die Hottentotten, ihrer Gewohnheit gemäß, mit sich genommen. Dagegen erbeuteten wir einige Ziegen, Ochsen, Kühe und zwölf abgetriebene Pferde, viele alte Sattel, Fleischtöpfe, die teils noch ganz mit Fleisch gefüllt waren, große Stücke frisch geschlachteter Ochsen und zwei Frachtwagen, welche die Feinde kurz vorher auf dem Wege vom Oranje nach Warmbad geraubt hatten und deren Inhalt (Proviant, Kaffee, Bonbons, Sirup usw.) zum größten Teil schon verzehrt oder (Anzüge usw.) vollkommen in Gebrauch genommen war. Die Kerls schienen ein wahres Schlemmerlebcn geführt zu haben. Unter der Beute befanden sich auch ein Pferd und verschiedene Gegenstände (darunter 130 Patronen iVl/88) der Besatzung der Station UhabiS, ein Beweis für uns, daß diese abseits gelegene Station (Unteroffizier Otto und Reiter Zeiser) gefallen sein mußte.