200
Gefecht bei Hartebeestmundribier.
12. Dezember 1903.
I.
Zur Situation.
Siegreich waren die deutschen Truppen nach dem heißen Gefecht bei Groß- und Kleiu- Sandfontein nach Warmbad, der südlichsten Militärstation im Groß-Namaland (Deutsch- Südwestafrika), zurückgekehrt. Wohl waren diese beiden Wasserplätze besetzt geblieben, wohl wurden kleinere Streifpatrouillen dem flüchtenden Feinde nachgesandt, aber es war und blieb vorerst ein Rätsel, wohin sich der geschlagene Gegner gewendet haben könnte. Die braven deutschen Mannschaften der 3. Feldkompagnie, unter Führung des äußerst tatkräftigen und umsichtigen Hauptmanns von Koppy, die seit dem Tage des Aufstandes, also bereits schon Vier- Wochen lang, sich nicht hatten Ruhe gönnen können, die Pferde dieser Abteilung und die Wagen- bespannungen — die Zugochsen — waren so erschöpft resp. mitgenommen, daß eine kleine Pause in dem steten Umherstreifen auf der Suche nach dem Feinde bei diesem Detachement eintreten mußte. Wohl rückte die bereits angekündigte Verstärkung, die Bastardabteilung sowie die 1. Kompagnie unter der Führung des Oberleutnants Grafen von Stillfried und Rattonitz und die Gebirgsbatterie unter der allzeit tüchtigen Leitung des Hauptmanns von Heydebreck, näher. Aber würden diese Truppen, die in Eilmärschen die über 900 Kilometer lange, tiefsandige Pad von Rehoboth bis Warmbad zurücklegen mußten, sofort marsch- und gefechtsbereit sein? Dieses war eine so wichtige Frage; aber trotzdem konnten sich die Pferde der Südabteilung noch lange nicht mit denen der Nordabteilung messen. Unsere Abteilung, die Bastard-Neiter- kompagnie, unter dem schon soviel gerühmten, braven und tüchtigen Oberleutnant Böttlin, hatte durchweg wohlgepflegte Tiere, die die Strapazen gewohnt waren und stets gutes Kernfutter reichlich bis soweit erhalten hatten. Wie sahen dagegen die Pferde des soeben aus dem Sandfelde zurückgekehrten Süddetachements aus! Völlig abgemagert und eingefallen, machten sie einen geradezu
kläglichen Eindruck auf uns, die wir doch auch soeben am 1. Dezember 1903 in Warmbad eingerückt waren. Am 2.Dezember nachmittags erhielt nun unsere Kompagnie den Befehl, die von den deutschen Truppen besetzt gehaltenen Wasserplätze Groß- und Klein-Sand- fontein zu verstärken. Gleichzeitig aber wurde uuS der Befehl zuteil, den Spuren
Feldwebel Otto Rolle auf einer Expedition im Kaffcrnland.