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Und jegliche Lebenslust schwindet dahin im sengenden, bleiernen Glühen,
Drum schnell gesattelt und angetrabt, eh' die Lebenskräfte versprühen.
Mit Vorsicht pürscht er durchs Dornengcstrüpp, der Hottentott' ihm zur Seite,
Auf dem braunen Kopfe den weißen Hut, des Witbooistamms Zeichen im Streite.
Und des Reiters Blick durch die Büsche dringt, der Witbooi sucht an der Erde,
Sein Falkenblick in den Spuren liest, herab von dem mageren Pferde.
Der Koffern kaum sichtbare Fußspur er zeigt, die er rasch an,dem Boden erkannte,
Doch des Deutschen Auge sucht umsonst in dem roten, körnigen Sande.
Da raschelt's im Busch, jetzt heißt es gezielt, doch kein Schuß darf die Stille durchdrängen. Der Zwergantilope graziöse Gestalt entschwindet mit zierlichem Springen.
Gespannt das Gewehr, von Busche zu Busch, so kann er nach vorwärts nur streben,
Wer zuerst seine Büchse am Kopfe hat, der mag den Abend heut noch erleben.
Liegt nicht am Termitenhügel geschmiegt ein regungslos lauernder Schlitze?
Hängt nicht in der Krone des Baumes ein Feind, den dürren Ast dort als Stütze?
Ach was! Der Tod kann aus jedem Versteck die Schicksalskugel ihm senden,
Und wenn der sich deckende Feind ihn gefehlt, dann wird er sein Schicksal noch wenden.
Schon zücket vom ehernen Himmel herab ein anderer Feind seine Strahlen,
Die Sonne, sie will mit ermattender Glut die Lebenskraft ihm zermahlen.
Es stolpert träge das müde Pferd, nach Wasser lechzend und Schatten,
Zu dem Wasserloch dort, da müssen sie hin, sonst stürzet das Tier vor Ermatten.
Und der Witbooi erklettert den stachligen Baum und sendet die forschenden Blicke, Kein Schwarzer zu sehn, drum schleichen sie hin und vertrauen dem blinden Geschicke.
Die Büchse im Arm, so tränkt er sein Roß in dem gelblichen, sandigen Schlamme,
Dann löscht er selbst in dem schmutzigen Trank seines Durstes zehrende Flamme.
Doch weiter! Bei gierigem Schlürfen Pflegt der Küster den Feind zu beschleichen, Und mancher mußte am tödlichen Blei, übers Wasser gebeugt, schon erbleichen.
Drum vorwärts! Nur Dornbusch und Sonnenbrand und am Himmel ein dunkler Reifen,
Der Waterberg, endlos, dem Meere gleich, ein blauer, unendlicher Streifen.
Und wieder drückt die ermattende Glut; ach, wollte es endlich doch knallen;
Denn besser ist es, vom feindlichen Blei als von lähmender Hitze zu fallen.
Da endlich senkt sich der Sonnenball, von glühenden Farben umblinket,
Und es naht sich die einzige Stunde des Tags, wo das Leben hier lieblich noch winket.
Nach der Hitze des Tags, vor der Kälte der Nacht, die Stunde der Vesperglvcken, Die Stunde, erfüllt mit Zikadengezirp und der Tauben gurrendem Locken.
Der Reiter sitzet verträumt auf dem Roß und wähnt sich so ferne den Flächen Der Steppe, er denkt an ein waldiges Tal, durchrauscht von rieselnden Bächen.
Dort schöpfet ein Mädchen mit goldenem Haar aus silberner, murmelnder Quelle Kristallklares Wasser und reicht ihm den Trank, — da zeigt ihm der Witbooi die Stelle Da vor ihm — er sieht nicht — jetzt krachet ein Schuß, und er liegt unter dornigen Bäumen! — Was hat er im afrikanischen Busch vom deutschen Wald auch zu träumen!
Aus den Südwestafrila-Liedern des Kricgsgerichtsrats Volley, jetzt beim XIV. Armeekorps.
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