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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Bei der 4. Batterie.

i.

Tod der Hottentottengroßleute Manasse Noroseb und Hendrik Hektor.

Am 30. November 1905 erhielt der Führer der 4. Batterie, Oberleutnant von Madai, durch eine Patrouille die Meldung, das; Hottentotten mit vielen-Reittieren und Pferden bei Toasis getränkt hätten und im Abmarsch anf Gubuoms seien.

Er brach sogleich mit 43 Reitern seiner Batterie von Aminuis auf und erreichte Toasis in der Morgendämmerung des 1. Dezember 1905.

Diesmal hatte der Feind wirklich standgehalten. Als die Abteilung sich der Wasser­stelle näherte, wurden einzelne Reiter beobachtet, und mau erkannte, daß die Dünen weiter östlich von Hottentotten besetzt seien.

Oberleutnant von Madai entwickelte sogleich seine beiden Züge zum Angriff, und es kam zu einem heftigen Feuergefecht in der Front. Gleichzeitig wurde einer der beiden Züge umfassend angesetzt, und dadurch gelang es, den linken Flügel des Gegners einzudrücken. Die Hottentotten räumten darauf ihre Stellung, besetzten aber nochmals die weiter rückwärts liegenden Dünen, so daß das gleiche Manöver wiederholt werden mußte. Als die Abteilung von Madai sich der Pfanne Neu-Gubuoms (etwa 6 bis 8 Kilometer südöstlich Gubuoms) näherte, erhielt sie abermals von allen Seiten heftiges Feuer. Der Führer gewann den Ein­druck, daß die Hottentotten alles daran setzten, das Entweichen von zwei Reitern, anscheinend ihrer Großleute, zu ermöglichen.

Blau muß sich daran erinnern, daß Hottentotten und Hereros nicht gewohnt sind, ihre Anführer in vorderer Kampflinie zu sehen. Sie kennen es nicht anders, als das; diese weit außerhalb des Feuerbereichs den Ausgang des Gefechts abwarten. Ist er günstig, so beanspruchen die Kapitäne den Löwenanteil an der Beute als ihr gutes Recht; geht es schlecht, dann sind sie die ersten, welche fliehen. Daher kam es so selten vor, daß Großleute im Kanipfe gefangen oder getötet wurden.

Diesmal freilich wurde die Absicht der Hotteutotteu, ihre Kapitäne zu rette», durch die Entschlossenheit und das scharfe Vorwärtsreiten des Oberleutnants von Madai vereitelt. Er überblickte die Lage rasch und nahm im schärfsten Galopp mit allen Reitern die Verfolgung auf, ohne auf die feuernden Hottentotten Rücksicht zu nehmen.

Es entspann sich nun ein verzweifelter Kampf. Ganz vorn die beiden Reiter, im Halbkreis dahinter etwa 20 bis 25 Hottentotten, welche dauernd versuchten, die Deutschen durch ihr Feuer zum Absitze» zu zwingen und Zeit für ihre Großleute zu gewinnen. Dieses glückte ihnen aber nicht. Unsere Reiter erwiderten das Feuer vom Sattel aus auf nächste Entfernung, oft nur auf 10 bis 15 Schritt.

Dabei wurde sogar mit aufgepflanztem Bajonett, Mann gegen Mann, gekämpft. Endlich, nach einstündiger Verfolgung, und nachdem fast alle Hottentotten abgeschossen waren, gelang es, in gleiche Höhe mit den beiden Reitern zu kommen, von denen der eine vom Reiter Weisner durch einen Bajonettstich bereits verwundet war. Beide wurden im Handgemenge getötet. Man erkannte nun erst, welchen Erfolg der energische Entschluß gezeitigt hatte. Einer der beiden Großleute war Manasse Noroseb, der Kapitän der Roten Nation. Der andere Häuptling, ein junger, sehr gut gekleideter Witbooi mit schwarzen! Schnurrbart, konnte anfangs nicht festgestellt werden. Später wurde bekannt, daß es Hendrik Hektor war, der noch in den Kämpfen am Waterberg auf deutscher Seite die mit uns verbündeten Witboois be­fehligt hatte.