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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Aber jetzt hoch!"

Der abgewehrte Angriff auf Awadaob!

Die Hottentotten kommen!" Mit dieser Meldung sprengte am Morgen des 28. Oktober 1905 der Reiter Stiebitz gegen die von nur 18 Btann mit einem Geschütz besetzte und von ihrem Besitzer verlassene Farm Awadaob. ES ist die östliche, am weitesten vor­geschobene Besatzung in der Kalahariwüste am Tale des ausgetrockneten Nossobflusses. Wir lagen noch unter den Decken, jedoch schon wach, als der betreffende Reiter die wichtige Botschaft dem gerade Posten stehenden Reiter Wawrzyniak zurief:Aber jetzt hoch!"

Halb angezogen bringen wir das Geschütz zuerst in den vorderen, in westlicher Richtung befindlichen Geschützstand. Die Munition wird auf Brennzünder gestellt, mit einer Brennlänge von nur 400 Meter; denn das ist die Entfernung über die von uns vorher abgemessene Fläche bis zur nächsten Sanddüne. Kaum war das Geschütz in Stellung, da kamen auch schon die beiden anderen Reiter derselben Patrouille, welche den Feind beobachtet hatten, im Galopp bis vor die vorhin angegebene Düne. Und da waren auch schon die gelben Gesellen! Zuerst recken einige allzu freche Burschen die Köpfe zu hoch, so daß wir sie mit dem Gewehr scharf auf das Korn nehmen können, doch dann wird es wieder ruhig. Nach Ver­lauf von etwa einer halben Stunde schickt Oberleutnant Graf von Carmer eine Patrouille, den Unteroffizier Krähe und den Reiter Wawrzyniak, zur Erkundigung fort, ob die Düne noch vom Feinde besetzt ist. Die beiden ritten zuerst in nördlicher Richtung von der Station gegen Hoagousgais; dann, nach etwa 800 Meter, schwenkten sie links, und im Galopp ging es die Düne hinan. Doch kein Feind regte sich dort. Hierauf ritt die Patrouille in südlicher Richtung auf der Düne ent­lang, die oben und auf beiden Seiten mit sehr starkem Busch bewachsen ist. Ungefähr 30 Meter links vom Wege nach Guigamdes erhielt der Reiter Wawrzyniak eine Salve auS nächster Entfernung. Das Pferd stieg sofort mit den Vordersätzen hoch, doch hatte der Reiter die Geistesgegenwart, dasselbe noch herum­zureißen, und halb die Düne herunterzugaloppieren. Hier stieg es zum zweitenmal und schlug hin. Wawrzyniak sprang aus dem Sattel und hüpfte auf einem Fuße nach links auf den Weg zu.

Jetzt sandten wir gegen die von der Salve herrührenden Rauchwölkchen eine Granate, auf 400 Meter Brennzünder gestellt. Doch noch eine Anzahl von Schüssen wurde auf uns gerichtet alle zu hoch. Wir schössen hierauf noch zwei Granaten gegen die Düne, welche auch, nach späteren Gefangenenaussagen, gut gewirkt haben. Jetzt kamen auch die beiden Reiter wieder an. Krähe zu Pferde und Wawrzyniak verwundet auf einem Beine springend. Die Sache war sehr günstig verlaufen. Der Schuß war dein Pferde vorn in die Brust eingedrungen und kam hinter dem linken Schulterblatt wieder heraus. Das Geschoß schlug dem Reiter Wawrzyniak noch den Stiefel halb durch und fiel dann wirkungslos zu

Unteroffizier Heinrich Sommer.