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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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In dem dichten Busch und bei der Dunkelheit war eine Leitung des Gefechts durch die Offiziere sehr erschwert. Jeder kämpfte, wo er gerade stand; ein Überblick über den Ver­lauf des Kampfes, ein Durchdrängen der Kommandos war nicht denkbar.

In diesem schwierigen Gefechtsmomente behielten indessen die Leute ihre Ruhe und Kaltblütigkeit, und diesem Umstände ist es zu danken, daß die Abteilung nicht aufgerieben wurde.

Augenzeugen berichten, daß bei dem ersten Zusammenstoß Freund und Feind kaum zu unterscheiden waren. Feuernde Hottentotten standen mitten in der deutschen Schützenlinie, und als der schwerverwundete Reiter Strehl zurückgeschafft werden sollte, befanden sich feindliche Schützen sogar schon im Rücken der Abteilung.

Da dieser Kampf im Busch wenig Erfolg versprach, beschloß Oberleutnant von Madai, eine günstigere Stelle aufzusuchen, die es dem Gegner nicht gestattete, seine Überlegenheit aus­zunutzen. Er nahm daher die Züge einzeln aus dem Gefecht heraus und ließ eine Anhöhe südlich des Weges AminuisGubuoms besetzen.

Hierbei war es ganz besonders schwierig, in unmittelbarer Berührung mit dem Feinde und im heftigsten Feuer an die Pferde zu gehen und aufzusitzen. Einer der Züge mußte sich im gestreckten Galopp seinen Weg durch den Feind bahnen, der ihn bereits umgangen hatte.

Dann galt es wieder, mehrmals Front zu machen, um gestürzte oder zurückgebliebene Reiter aufzunehmen.

Nach Besetzung der Anhöhe wurde das Feuergefecht bis Mitternacht weitergeführt.

Die Hottentotten sahen die Nutzlosigkeit ihrer Angriffe ein, brachen bald darauf das Gefecht ab und gingen in östlicher Richtung zurück.

Oberleutnant von Madai schreibt über das Gefecht:Wenn nicht die Feuerdisziplin, die Ruhe in den einzelnen Zügen eine solch hervorragend straffe gewesen wäre, würde es für mich nicht möglich gewesen sein, in dem Nachtgefecht die Übersicht über die Abteilung zu be­halten. Es verdienen die Zugführer hierfür ganz besonderes Lob. Die schwierige Über- bringung von Befehlen an die einzelnen Abteilungen verdient ungeteilte Anerkennung."

Schon oft fand Erwähnung, daß unsere Sanitätsoffiziere in Südwestafrika sich im Gefecht durch Unerschrockenheit und kaltblütige Ruhe ausgezeichnet haben. Assistenzarzt Liß, der einzige Arzt der Abteilung, verband die Verwundeten im heftigsten Feuer. Mehrfach mußte er hierbei Licht anzünden und wurde dadurch ein Ziel für die feindlichen Schützen.

Eine Verfolgung des Gegners nach dem Gefecht war für die schwache Abteilung nicht möglich, da anzunehmen war, daß die Simon-Copper-Leute in großer Stärke noch in der Gegend ständen. Oberleutnant von Madai kehrte daher nach Aminuis zurück und ließ von dort aus die Hottentotten zur Unterwerfung auffordern.

Nach Gefangenenaussagen befand sich der Gegner in verzweifelter Lage. Tatsächlich stellten sich auch bis zum 16 . Dezember 1905 250 Hottentotten, darunter jedoch nur 27 Männer, meistens Manasseleute. DerOrlog" Simon Coppers blieb noch im Felde.

Unterdessen war Major von der Heyde nach Säuberung der Gegend von Doorn- fontein wieder in Aminuis eingetroffen und vereinigte dort seine Abteilung.

Allgemein wurde angenommen, daß die Hottentotten nach den schweren Gefechts­verlusten, ihrem erneuten Rückzug in die Kalahari und wegen Wassermangel ihre Unter­werfung bald anbieten würden. Hier zeigte sich aber von neuem, wie zäh der Gegner seinen Verzweiflungskampf bis zuletzt führte.

Aus den Aufzeichnungen des Oberleutnants von Madai.

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