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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Buden. Wäre der Schuß weniger matt gewesen, so wäre dem Reiter der Fuß oberhalb des Knöchels abgeschlagen. Nach einiger Zeit sahen wir in mehr südlicher Richtung einige Reiter auf der Düne stehen. Sofort wird ein Schrapnell gegen sie gesendet, welches auch die Burschen vom Erdboden wegfegte. Das vorhin angeschossene Pferd sahen wir, wie es um sich schlug und sich im Todeskampfe wälzte. Auch war bei demselben noch der Karabiner des Reiters Wawrzyniak. Ich erbot mich, den Karabiner nebst Sattel und Zaumzeug zu holen. Das wurde mir vom Oberleutnant Grasen von Carmer gestattet. In Schlangen­linie und im Laufschritt, das entsicherte Gewehr schußbereit in der Hand, und die Augen scharf gegen die Düne gerichtet, kam ich bei dem noch lebenden Pferde an, riß ihm den Sattel vom Leibe und das Zaumzeug und jagte ihm noch eine Kugel durch den Kopf, um das treue Tier von seinen Leiden zu erlösen. Nach einigen Minuten langte ich unversehrt wieder im Lager an; mir war doch bei dem Danerlauf warm geworden. Nur durch Wachsamkeit und entschlossenes, rasches Handeln hatten wir die auf 50 bis 60 Mann geschätzten Feinde von uns abgehalten. Auch Gefreiter Grundmann wurde bei diesem Gefechte verwundet.

Heinrich Sommer,

ehem. Unteroffizier der 4. Batterie der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Hirrweiler bei Löwcnstcin.

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Kinder, haltet aus!"

Oberleutnant Freiherr von Schömm-Wehr bringt ieiner Kvmvagnie Woher in die Ge- fechtslinie.

Den ach? Reiter in Siidwest.

Auf dem äußersten linken Flügel.

Unter unserm alten be­liebten Führer Major von Estorff waren wir auf dem Marsche nach Otjihinama- Parero. Dort, an einer der ergiebigsten Wasserstellen, die von einer vollständig sturm­freien Klippenwand zu beiden Seiten flankiert wurde, also in vorteilhaftester Stellung, waren zahlreiche Hereros mit großen Viehherden gemeldet, und ihnen galt der Zug des Majors, der zwei Feldkompagnien, die 2. nud 4., drei Geschütze (Modell 73), ein Gebirgsgeschütz, eine Maschinenkanone und außerdem den berittenen Teil der Marineinfanterie mit sich führte.

Am 25. Februar 1904 bildete der erste Zug der 4. Feldkompagnie die Spitze. Ich selbst war dabei. Wir hatten nachts gerastet, weil die Spuren verloren gingen. Um 8 Uhr morgens sahen wir die Felswand, wohl 4000 Meter lang, vor uns schroffe, zerklüftete Steinmassen, in deren Mitte die Wasserstelle, dahinter das Vieh. Sehen konnte man vom Feinde bislang nichts.

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