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Feinde mit Schnellfeuer zu empfangen. Unbemerkt waren sie durch ein trockenes Flußbett aufwärts gekommen. Aber ein schlimmer Kampf entbrannte hier jetzt gegen die Übermacht. „Aushalten!" hatte unser Major besohlen, und der sollte sich nicht in uns irren. Schon ist Leutnant von Stülpnagel der Oberarm zerschmettert, da erhält auch unser Kompagnieführer Freiherr von Schönau-Wehr einen Schuß durch das Knie. Noch befiehlt er dem Oberleutnant Schnitze, sich den verwundeten Arm verbinden zu lassen. „Nein," sagt dieser, „Ihre Verwundung ist schwerer —die zuerst! Ich will erst meinen Schuß rächen!" Oberleutnant a. D. Schnitze war unser bester Schütze. Er hatte seinen Gegner eben aufs Korn genommen. „Warte, jetzt habe ich dich!" sagte er, da knallte es auch schon. Der Herero sank tot zusammen, aber auch sein Blei war dem Oberleutnant Schultze durch das Herz gedrungen. Ein kühner Streiter weniger. Oberleutnant Freiherr von Schön au-Wehrch wurde fortgetragen. „Kinder, haltet aus, bis die letzte Patrone verschossen ist!" rief er uns noch zu. Und wir hielten aus.
Unsere Kompagnie war nun ohne Offiziere. Wir hatten schweren Stand der Übermacht gegenüber, aber unser Major ließ uns nicht sitzen, das wußten wir. Er hatte uns schon seinen eigenen Adjutanten, Leutnant Freiherr« von Buttlar, als Führer geschickt. Auf meine Meldung hin hatte er zwei Züge der 2. Kompagnie unter Oberleutnant Hannemann von der Stellung auf dem Felsrande am rechten Flügel nach dem linken befohlen, und im langen Galopp kamen die Reiter heran, von dem immer rechtzeitig kommenden Kompagnieführer, Hauptmann Franke, selbst begleitet. Herunter von den Pferden und mit Hurra vor! Die unerwartete Hilfe kam dem Feinde so überraschend, daß er bald, trotz bedeutender Übermacht, sehr eilig den Rückzug antrat.
Bis an das Flußbett des Omaruru ging die Verfolgung — dann aber blieb dem Hauptmann Franke noch ein anderes Stück Arbeit. Nach der Niederlage des feindlichen rechten Flügels beschloß Major von Estorff, nun die Wasserstelle in der Mitte der feindlichen Stellung direkt anzugreifen. Er nahm zusammen, was verfügbar war. Auch wir durften dabei sein. Alle Geschütze traten in volle Tätigkeit und unterstützten das Vorgehen im Laufe eines trockenen Flußbettes. Wieder war Hauptmann Franke an der Spitze, mit ihm der Major.
Ein kurzer, erbitterter Nahkampf — das Maschinengeschütz wirkt dabei vernichtend, und die Wasserstelle ist genommen.
Den Verlauf dieses Schlußkampfes mag ein anderer Kamerad schildern. Ich will nur noch des Vizefeldwebels der Reserve Freiherr« von Erffa gedenken. Mit fünf Reitern räumte er eine von 50 Hereros besetzte und unsere Flanke bedrohende Anhöhe.
Es war 6 Uhr abends, als wir den Sieg errungen hatten. „Uns gehörte der Platz!" das war eine deutliche Antwort auf die Frage: „Wem gehört der Platz?" die sich in dem Worte „Otjihinamaparero" ausdrückt^).
Die 4. Kompagnie verlor, außer den schon genannten, noch an Verwundeten den Sergeanten Becker und die Gefreiten Binder, Friedrich, Mensel und Sputh.
Rudolf Arendt,
Sergeant der 4. Kompagnie 1. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe für D.-Südwestafrika,
z. Zt. Windhuk.
') Über Oberleutnant Freiherr» von Schbnau-Wehr vgl. den Beitrag des Stabsarztes Dr. Kühn, S. 212.
2) Vgl. Schilderungen des Vizemachtmeisters Rogge. (D. H.)
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