Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen

214

der Führer der 4. Kompagnie, Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr, welcher einen Schuß in das rechte Knie erhielt; Leutnant von Stülpnagel wurde am rechten Oberarm verwundet. Der Gefreite Binder erhielt einen Schuß, der durch den linken Oberarm und die linke Brustseite ging. Dem Gefreiten Friedrich ging eine Kugel durch den Hals und zerschmetterte den linken Unterkiefer. Als die Nachricht von den Verlusten zu mir kam, ritt ich in die Schützenlinie, um vr. Tiburtius zu unterstützen. Auf dem Rückweg wurde ich samt einer Ordonnanz von Hereros, welche seitwärts im Busch lagen, auf das heftigste be­schossen, kam aber heil nach dem Verbandplatz zurück.

Nachdem der Kampf bis zum Nachmittag bei dem glühenden Sonnenbrand keine Entscheidung gebracht hatte, wurde er in der Abenddämmerung durch einen Sturm auf die Wasserstelle siegreich beendet, wobei Oberleutnant Hannemann einen Schuß in die linke Schulter erhielt. Der Feind floh. Unsere braven Truppen hatten zehn Stunden gedurstet und waren völlig erschöpft.

Die 2. Kompagnie hatte außer Oberleutnant Hannemann nur Leichtverwundete.

Während der Nacht und in den kühleren Morgenstunden des 26. Februar ging es den Verwundeten verhältnismäßig gut. Aber die Hitze wurde gegen Mittag sehr drückend. Die Verwundeten wurden unter kleine Dornbüsche gelegt, die den einzigen Schatten spendeten. Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr und Leutnant von Stülpnagel lagen zusammen mit dem Oberassistenzarzt Or. Tiburtius und mir unter einem Baum. Wir versuchten durch Zeltbahnen den Schatten zu vergrößern, aber die beiden Offiziere baten, in eine der großen Hererohütten geschafft zu werden. Ich warnte wegen allerlei Ungeziefer, aber die Sehnsucht nach Kühle war zu groß, die beiden Herren wurden auf Tragbahren hineingesetzt. Es ver­gingen kaum zehn Minuten, da spazierten die Wanzen in Scharen auf ihren Decken, und der Rückzug nach dem Baum wurde schleunigst angetreten.

Allen Verwundeten ging es gut, sogar eine schwere Blutung des Gefreiten Binder aus der Brustwunde kam zum Stillstand, nur Oberleutnant Freiherrvon Schönau-Wehr wurde unruhig, war ab und zu leicht benommen und begann zu fiebern. Am 28. Februar zeigte das Knie Anzeichen einer beginnenden Entzündung. Eine Eröffnung des Kniegelenks erschien not­wendig, aber bei dem Fehlen eines Hauses und bei dem fortwährenden Winde mit seinem feinen, aus Sand und Mist bestehenden Staub war nicht daran zu denken. Major von Estorff hätte gern die Verwundeten mit einem Etappenposten aus dem Platz gelassen, um mit der Hauptmacht weiter vorzugehen; jetzt aber mußte er seine Einwilligung dazu geben, daß die Verwundeten nach Omaruru zurücktransportiert wurden und daß eine Be­deckung von 20 Mann mitging.

Dr. Philalethes Kühn,

Stabsarzt der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

-t- *

*

Wie durch ein Wunder!

Am 2. November 1904 rückte ich mit der 2. Kompagnie des 1. Feldregiments (Kompagnie Franke) von Windhuk nach Kub. Hier traf die Kompagnie am 9. November ein. Am 22. November 1904 traf eine Meldung von der Pferdewache der 1. Gebirgsbatterie ein, daß die Hottentotten sämtliche Tiere der Batterie weggetrieben und dabei einen Mann verwundet und zwei totgeschossen hätten. Sofort wurde eine Patrouille unter Leutnant d. R. von Mosch vorgeschickt, um die Räuber zu verfolgen und ihnen die Beute abzujagen. Unser Führer schickte zwei eingeborene Soldaten zur Sicherung voraus.