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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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so daß der Feind uns immer unbemerkt in der Flanke sein konnte, und wir stets einen An­griff erwarteten. Wir wußten, daß wir auf einen weit stärkeren Feind zumarschierten, und daß unsere Artillerie in den Dornen wenig helfen konnte.

Wir hatten Meldung, daß bei Owiumbo, wo gute Wasserstellen und Wiesen sind, der Feind in starker Zahl versammelt sei, und den wollten wir angreifen.

Ohne Gefecht erreichten wir Okatumba, wo die Feucrstellen noch warm, die Hereros also noch vor Stunden gewesen waren. Ich hörte in der Ferne noch deren Rinder brüllen. Es war schon schrecklich heiß.

In Owiumbo sollte Rast gehalten werden. Um 9 Uhr ging's also weiter. Um 10,30 Uhr waren wir an der Wasserstelle, und freudig begrüßten wir das edle Naß, froh, ohne unliebsame Zwischenfälle den Ort erreicht zu haben. Nahe am Swakop, der hier ein ziemlich trockenes, steiniges Flußbett von 300 Schritt Breite bildet. Rund um unsern Lagerplatz, wo wir bereits zu tränken begonnen hatten, war, wie fast überall hier, dichtes Dornengebüsch.

Da die Avantgarde auf daS südliche Swakop- ufer gegangen war, um uns dort zu sichern, hatte unsere Kompagnie die Sicherung nach vorn. Aber kaum waren die ersten Pferde getränkt, als vorn im Flußbette Hereroreiter auftraten und auf uns feuerten. Oberleutnant Reiß lief sofort mit einem Halbzuge vor und vertrieb sie; aber da bekam er aus den nahen Büschen Feuer und fiel. Ich sah ihn mitten im Swakop tot niedersinken; auch mehrere Reiter sielen. Das ging so schnell, wie ich's nicht erzählen kann. Oberst Leutwein kommandierte jetzt selbst: Schwärmen!" und wir waren im Umsehen aus­einander und begannen zu feuern; denn auch uns gegenüber lagen die Schützen der Hereros in Deckung. Zu sehen war fast nichts. Als mein Hauptmann von Bagens ki sich etwas aufrichtete, um die Lage der Gegner zu erkennen, wurde er durch den Kopf geschossen und war sogleich tot. Ebenso fiel Unter­offizier Neschke neben ihm.

Leutnant a. D. von Frankenberg, der den ersten Zug kommandierte, ließ lins vorrücken, damit die Artillerie hinter uns auffahren konnte, und als die anfing zu feuern, da wurde es besser. Wir konnten für die Artillerie ohne Verluste Munition heranholen. Aber da uns der Feind links umgehen wollte, wurden dahin nach und nach die anderen Kompagnien vorgeschoben. Es war ein furchtbares Feuern von allen Seiten; denn die Hercros holten immer mehr aus, um uns auch von rückwärts zu fassen. Und sehen konnte man ja kaum einen Feind in den dichten Dornen. Dazu die schreckliche Sonne und der Durst!

Gerade in der größten Hitze kam Herr Major von Estorff noch zu Pferde und brachte uns selbst Wasser in die Schützenlinie, für jeden Mann eine Kartusche voll. Das Gefecht dauerte bis zum Abend; wir bildeten zuletzt einen Kreis um die Handpferde und Protzen. Die Maschinengewehre rollten noch, als wir nur noch wenig Munition hatten; denn der Feind bekam immer frische Verstärkungen. Aber heran kamen sie nicht, aus dem Busch wagten sie sich nicht hervor zu einer ordentlichen Attacke. Um uns nicht selbst anzuschießen, hatten wir rote Fähnchen angebracht, die unsere Stellungen bezeichneten.

Reiter Gustav Petterlvn.