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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Es war schon 8 Uhr wir hatten zehn Stunden im Feuer gelegen, und es dunkelte schon, als Oberst Leutwein den Rückmarsch auf Otjosasu befahl. Meine Kom­pagnie hatte die Nachhut. Wir hatten Lagerfeuer angemacht, und so merkte der Feind nichts von unserm Abmärsche. Major von Estorff führte selbst die Arrieregarde.

Um 10 Uhr hielten wir Rast in Okatumba, und vor Otjosasu stand so viel Wasser auf der Pad, daß wir noch unsern Durst gestillt haben, als alle Geschütze schon durch waren. Um 5 Uhr morgens kamen wir nach Otjosasu zurück.

Ich habe dann noch viele Kämpfe mitgemacht unter meinem neuen Hauptmann Freiherrn von Wangenheim. Wo der uns führte, da waren wir stets im Schutze. Oft haben wir vergebens nach Wasser gegraben. Durst und Hitze sind fast schlimmer als die Hereros. Unter Major von der Heyde habe ich die Schlacht am Waterberg miterlebt.

Aus den Mitteilungen des ehem. Reiters Gustav Pettersou, früher 6. Komp. 1. Feldreqts. der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Metelsdorf b. Wismar.

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Eine kleine Durststrecke.

26. September 1906.

Im westlichen Teil des Hererolandes wohnen nur Buschmänner, die, von Statur klein und schwächlich, ungeheuer listig und verschlagen sind. Hierhin wurde eine Patrouille von der 10. Kompagnie 1. Feldregiments geschickt, um Wege und Wasser festzustellen. Am 17. Juli 1906 ging die Patrouille unter Führung des Leutnants Grab au ab, der auch ich zugeteilt war. Die ersten Tage blieben wir auf der Pad, dann mußten wir uns mit Karte und Kompaß zurechtfinden. So kamen wir am 26. September morgens an die Wasserstelle Awachab, an der ein unterirdisches Wasser fließt. Wir hatten einen Reiter bei uns, der Bescheid wußte. Wer den Ort nicht genau kennt, findet das Wasser nicht. Ich bin selbst mit hinabgestiegen; zuerst geht ein ziemlich großes Loch senkrecht in die Erde, das ungefähr acht Meter tief ist, dann kommt man in eine ge­räumige Höhle, zwölf Meter lang, fünf Meter breit und vierMeterhoch. Hieristesstockdunkel; man muß ein Feuer anmachen, wenn man sich nicht mit Kerzen versehen hat. In der Mitte der Höhle gähnt dem Wassersuchcnden wieder eine schwarze Öffnung entgegen, nochmals ein Loch von fünf Meter Tiefe, so groß, daß ein nicht zu starker Mann an einer Leine heruntergelassen werden kann. Nun endlich das Wasser. Ein Büchlein fließt hier unten, ein kleines Plateau umspülend, das das Schöpfen sehr erleichtert. Das

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Unteroffizier Franz Geriach.