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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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S48

Wasser wird mit Futterbeuteln, an Riemen befestigt, heraufgezogen, eine Arbeit, zu

der mehrere Mann erforderlich sind. Das Tränken dauerte für unsere Patrouille zwei Stunden.

Am Nachmittag desselben Tages,

um 1 Uhr, ging es wieder weiter, weil wir am 27. September in Stein-Rocko sein wollten, das als reiche Wasserstelle auf der Karte verzeichnet ist. Wir hatten uns etwas von dem edlen Naß in den Wassersäcken mit­genommen und dachten am andern Morgen daselbst an frisches Wasser zu kommen. Dieses Mal hatten wir uns in der Karte arg ge­täuscht. Wir ritten den 27. September den ganzen Tag und Hostien noch immer an Wasser zu kommen, denn unser Vorrat war alle

geworden. Wenn man den ganzen Tag in der brennenden Tropcnsonne reitet, dann be­

kommt man eben Durst, Mann und Tier. Es wurde Abend, wir mußten halt machen, denn des Nachts kommt man nicht durch den dichten Dornenbusch. Die Nacht war recht kühl, und so verging der Durst etwas. Am 28. September, beim Morgengrauen, ging es wieder weiter. Im Laufe des Vormittags erreichten wir die Hawasiesberge. Wir lechzten nach Wasser und hofften bestimmt, es dort zu finden. Wir kamen im dichten Busch sehr langsam vorwärts. Ich erkletterte die höchsten Bäume, um Umschau zu halten; aber es war nichts zu entdecken. Die Sonne brannte immer heißer, der Durst Plagte immer ärger, kein Lüftchen regte sich zwischen den hohen Felsen. Nachmittags 1 Uhr wurden die Felsen niedriger, so daß wir sie durch einen Spalt übersteigen konnten. Vor uns dehnte sich eine

Fläche aus, die etliche Kilometer lang und fast ohne Busch war. Plötzlich tauchte vor uns

eine dunkle Gestalt auf. Ich erkannte sofort einen Buschmann. Jetzt war uns geholfen; denn wo ein Buschmann ist, ist's auch nicht weit zum Wasser. Unser Eingeborener Zacharias, der immer als Dolmetscher mit war, mußte ihm sagen, er solle uns zur nächsten Wasserstelle führen, was er auch versprach. Unsere Pferde und Maultiere mußten schon mit Gewalt weitergetricben werden.

Um 4 Uhr nachmittags am 28. kamen wir an die Wasserstelle Aigab. Hier war nur ein Loch von fünf Dieter Tiefe bis zum Wasser,

aber das Wasserheranfholen war mit großen Schwierigkeiten ver­knüpft; es mußte in Futtcrbeuteln hinaufgebracht werden, wobei jeder Mann nur einen Beutel tragen konnte. Denn eine Hand mußte er frei haben, um sich festzuhalten. Nach zweistündiger Arbeit waren die Tiere getränkt. Alles sagte:Gott sei Dank", als wir nach sechsundzwanzigstündigcm Dursten uns wieder satt getrunken hatten. Die Tiere waren 52 Stunden ohne Wasser und vor Er­schöpfung dem Verenden nahe gewesen.

Franz Gerlach,

ehcm. Unteroffizier der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Ragoßen.

Das Wasser wird mit Futter- * *

beuteln heraufgezogen. *