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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Berg abgaben und uns dadurch deckten. So langten wir unten am Berge an. Es war ein steiler, steiniger Hang, welcher schwer zu besteigen war. Aber hinauf müssen wir, so dachte ich, und wo's die Beine allein nicht machten, da halfen die Hände; denn auf solchem Steingeröll hat's was an sich mit dem Steigen. Ein Gefreiter, mit Namen Hermann, und ich waren zuerst oben auf der Spitze. Aber die Hereros waren schon wieder 1000 Meter entfernt. So ging es den ganzen Tag, bei glühender Hitze, bis in die Nacht, wo sich die Kompagnie wieder sammelte und nach Wasser suchte. Wir blieben drei Tage bei Ongansira liegen, bis wir wieder Munition hatten. Dann ging es wieder los. Am 14. April, bei Owiumbo, fiel gleich am Anfang unser Hauptmann von Bagenski und Unteroffizier Beschke von unserer Kompagnie. Diesmal war es noch viel schlimmer als am 9. April, denn diesmal saßen die Hereros im dichten Gebüsche. Sie kamen öfters auf sechs bis acht Schritte wie ein Bienen­schwarm heran, und wenn da die Artillerie und Maschinengewehre nicht gewesen wäre, so hätten uns die Hereros mit Leichtigkeit gefressen. So ging es wieder vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein, wo wir dann, weil wir keine Munition mehr hatten, in aller Stille zurückgingen; das tat uns sehr wehe! Unsere Kompagnie deckte den Rückzug. So kamen wir wieder nach Otjosasu und Okahandja, wo wir dann alle Pferde be­kamen. Ich selbst erkrankte bald am Typhus und kam nach Okahandja in das Lazarett.

Daß ich wieder davongekommen biw, habe ich bloß Herrn Oberarzt Jodka, Schwester Mary und Sanitätsgefreiten Ritter zu verdanken; denn diese haben mich Tag und Nacht aufopfernd gepflegt.

Mit dem nächsten Transport fuhr ich am 7. Sep­tember mit mehreren Kameraden nach Deutschland.

Ich blieb dann bis April 1906 bei meinen Eltern.

Später kam ich als Waldaufseher, was meiner Gesundheit sehr zugunsten ist, zu Seiner Erlaucht Graf Fugger in Oberkirchberg in Dienst, wo ich jetzt noch tätig bin.

Ich erhielt das preußische Militärehrenzeichen und die Württembergische silberne Militärverdienstmedaille.

Johann Graf,

ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

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Schwarze kommen!"

Am 7. August 1905, abends kurz vor 8 Uhr, stand ich in Hoachanas auf Posten, als ich mit dem Befehl abgelöst wurde, mich zu nachts 12 Uhr zum Patrouillenritt fertig zu machen. Ich erfuhr dann, daß ein Eingeborener bei Schürfpenz Hottentotten mit Vieh bemerkt hätte. Nach fünf- bis sechsstündigem Ritt erreichten wir Schürfpenz, wo die Schwarzen aber schon wieder abgezogen waren. Wir lagerten nun in einer Schlucht und kochten Kaffee, als Unteroffizier Mann, welcher den Berg hinaufgestiegen war, mit dem Ruf Schwarze kommen!" heruntergelaufen kam. Wir griffen zu den Gewehren und legten uns in Schützenlinie, um die Schwarzen zu erwarten. Dieselben kehrten aber um, da sie

Gefreiter Jvhann Graf.