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jedenfalls unsere Pferde hatten weiden sehen. Es waren nur sechs Mann, und wir nahmen die Verfolgung auf, in deren Verlauf ein Schwarzer von uns erschossen wurde, während die andern, da das Gelände zu schlecht war, entkamen. Wir folgten den Spuren der Hottentotten und dem Vieh mach. Als wir nun geraume Zeit in die Sanddünen zwischen Nunub und Stamprietfontein hineingeritten, sahen wir von einer Düne aus das Vieh auf der nächsten weiden. Es waren noch etwa 20 Schwarze bei dem Vieh, welche aber bei unserem Ansprengen die Flucht ergriffen. Das Vieh, etwa 100 bis 110 Schafe und Ziegen, fiel in unsere Hände, und wir trafen an: andern Tage mit unserer Beute wohlbehalten in Hoachanas ein. Der Führer der Patrouille war Leutnant von Hanenfeldt. Unter ihm nahmen teil: Sergeant Nickel, Unteroffizier Fei, Gefreiter Clemens, Reiter Konrad, Reiter Viereck und drei eingeborene Soldaten.
Am 1. November 1905 ritt eine Patrouille von 30 Gewehren unter Führung von Oberleutnant Pabst von Kalkfontein ab, um gegen Simon CoPPer aufzuklären. Am 2. morgens lagerten wir bei Koms, wo wir gegen Mittag einen Buschmann gefangennahmen, der aussagte, daß fünf Dünen weiter eine kleinere Werft sei. Sofort ritten wir ab, um dieselbe aufzuheben. In der Nähe angekommen, teilten wir uns in zwei Züge. Der erste Zug, unter Oberleutnant Pabst, sollte von hinten hervorbrechen, während der andere, unter Oberleutnant Rosendahl, von vorn angriff. Vorwärts ging's, erst im Trab, dann im Galopp. Plötzlich sehe ich dicht vor mir einen Hottentotten im Anschlag liegen; sofort pariere ich, um abzusitzen und ihn niederzuschießen; aber schon kracht der Schuß, und ich sehe auch, daß mein Rock und Patronengurt zerfetzt sind. Da ich nichts fühle, nehme ich mir zuerst mal meinen Gegner vor, der wohl nicht wieder aufstand. Leider bekam mein braves Pferd in demselben Moment einen Schuß in die Hinterfessel, denn jetzt lag die ganze Patrouille im Feuergefechte. — Es sollte aber nicht lange dauern, denn Oberleutnant Rosendahl ließ zum Angriffe vorgehen. Das vertrugen auch hier die Hottentotten nicht, und schnell ergriffen sie die Flucht, sieben Tote zurücklassend. 20 Gefangene fielen in unsere Hände. Der schnelle Sieg hatte auch uns Opfer gekostet. Wir mußten unsern braven Unteroffizier Klapecky an der Düne begraben und Sergeant Oberhoffer wurde verwundet vom Platze getragen. Außer den Genannten waren noch an der Patrouille beteiligt: Unteroffizier Maurer, Böttcher; Gefreite Henkel, Taube, Clemens, Reiter Volker, Reisener u. a. m.
Gefreiter Clemens,
früher 1. Ersatzkompagnie 1. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, jetzt: 6. Kompagnie 1. Feldregiments Outjo.
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Wie hals man sich beim Durstmarsch durch die Wüste Kalahari?
Ende April des Jahres 1905 kam die Meldung, Hottentotten säßen in der Kalahariwüste an der englischen Grenze.
Auf diese Meldung hin wurde ein Detachement, ungefähr drei bis vier Kompagnien und zwei Geschütze, beauftragt, den Feind daselbst zu schlagen. Da nun der Vormarsch sehr schwierig und mit großem Wassermangel verbunden war, wurde schon tagelang vorher daran gearbeitet, Ochsenwagen zu Wasserwagen einzurichten. Alles mögliche wurde versucht, um recht viel Wasser fortzubewegen und in einer Durststrecke von ungefähr 100 Kilometer Sanddünen künstliche Wasserstellen zu errichten. So z. B. wurden mit Flaschen und Blechkisten Versuche gemacht; da aber von den Flaschen nicht genügend vorhanden waren, konnte aus dieser Sache nichts werden. Die Blechkisten, in denen wir unser Mehl bekommen hatten, waren nur zum Teil gelötet und hielten somit auch kein Wasser. Jetzt wurden Zeltbahnen mit einem Riemen