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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Verzweifelte Lage.

Ich diente während des ganzen Krieges in der Kompagnie des Hauptmanns Grafen zu Solms-Wildenfels (1. Kompagnie 1. Feldregiments) und machte mit dieser alle Kämpfe mit. Nie ist mir der Gedanke gekommen, daß ich fallen würde. Ich habe in jedem Gefecht stets das Gefühl gehabt, daß ich unverletzt wieder herauskäme. Nur einmal, im Gefecht bei Otjosongombe, am 11. August 1904, dachte ich, mein letztes Stündlein hätte geschlagen.

Das Gefecht war schön, es ging immer drauf. Das sprungweise Vorgehen hatte uns schon ordentlich müde gemacht, und wir mußten dicht vor der feindlichen Hauptstellung sein wie wir später sahen, lagen die Kerle vor uns in einem langen, einen Meter tiefen Wasser­graben dem Otjosongombebach. Da bemerkte ich bei dem zweitletzten Sprung, daß vor mir bis zur feindlichen Stellung eine vollständig freie Fläche kam, ohne Busch, ohne Deckung. Die Schwarzen waren nur noch ungefähr 60 Meter entfernt. Meine Kameraden neben mir hatten schon die Fläche gemieden und gingen seitwärts, in den dort befindlichen Büschen, vor. Auch ich wollte von der Fläche herunter und rannte nach links vorwärts. Die Schüsse bewiesen mir, daß es gezielte waren, und ich rannte daher, das Gewehr krampfhaft fest unter dem Arm haltend, den Deckung bietenden Büschen zu.

Aber ich sollte sie nicht erreichen. Bei dem schnellen, tiefgebückten Laufen stieß ich mit dem aufgepflanzten Seitengewehr gegen eine hervorstehende Wurzel. Ich bekam mit dem Gewehr unter den rechten Arm einen gewaltigen Schlag und flog infolgedessen ein Ende vor­wärts, beim Aufschlagen heftig auf die linke Schulter fallend. Im ersten Augenblick wußte ich nicht, ob ich nur gefallen oder von einer Kugel getrosten sei, so heftig schmerzte mich die Schulter. Ich wollte mein Gewehr zum Schießen anlegen, doch es ging nicht. So lag ich denn als lebende Zielscheibe, unfähig, mich zu rühren, den Her er os gegenüber, und die nächsten von ihnen, fünf oder sechs an der Zahl, eröffneten sofort das Feuer auf mich. Zu allem Unglück war die Stelle, auf die ich gestürzt war, dicht mit niedrigen Kaktnsstauden bestanden, so daß ich etwas über dem Erdboden zu liegen kam und infolgedessen ein ausgezeichnetes Ziel bot. In jedem Augen-

-ML-r-

Unteroffizier Schnitz auf den Kakteen.

Denliche Reiter in Eüdwest.

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