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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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blick dachte ich, mein letztes Stündlein sei gekommen. Die Schüsse krachten um mich her, als ob sie unmittelbar neben meinen Ohren abgegeben worden seien. Es war eine qual­volle Lage. Aufspringen und weiterlaufen wäre sicherer Tod gewesen. Ich verspürte ordentlich den Ruck, wenn mir eine Kugel über den Rücken fuhr. So lag ich denn still da, des Todes gewärtig. Ich versuchte, mich tiefer zu legen, aber es gelang mir nicht; nur das Gesicht vermochte ich zwischen die mit feinen Stacheln versehenen Kaktus­stauden zu drücken. Ein paar bange Minuten verharrte ich so mir kamen sie stundenlang vor dann hörte mit einem Male das Feuer auf; entweder hielten mich die Hereros für tot, oder ihre Aufmerksamkeit wurde durch etwas anderes in Anspruch genommen. Ich blieb liegen, bis ich hörte, daß mein Zug vorsprang, dann versuchte ich mich aufzurichten, was auch mit zusammengebissenen Zähnen gelang, und ging in die Büsche, um mit meinem Zuge weiter vorzugehen.

Wunderbarerweise bin ich bei der ganzen Beschießung nicht verwundet worden, nur mein Anzug und meine Ausrüstung wiesen Spuren der feindlichen Geschosse auf. Die Schmerzen in der Schulter überwand ich und blieb bei der Truppe. Mit der Zeit ist die Schulter auch von selbst geheilt, aber etwas schief geworden, damit ich zeitlebens ein Andenken an jene schwere

Stunde behalte. ^ ^ ^

Unteroffizier Schultz,

1. Kompagnie 1. Feldregiments der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika*).

Unteroffizier Schultz.

Ende gut, alles gut.

i.

Auf dem Marsche.

Von Major von Estorff, dem Leiter der Operationen im südlichsten Teile des Schutzgebietes, hatte ich den Befehl erhalten, Signalverbindung zwischen Warmbad und Blydeverwacht und somit zwischen ihm und dem Detacheuren! Siebert an der Ostgrenze herzustellen. Zur Verfügung standen mir drei Signalapparate, fünf Signalisten und für die zuerst zu errichtende Station acht Mann Bedeckung. Die vereinigten Bondelzwart-Hotten- totten saßen bei Hartebeestmund am Oranje in sehr schwer zugänglichem Gelände und machten unter ihrem tatkräftigen Feldkornett Morenga häufige Ausfälle.

Am 3. Januar 1906, frühmorgens, brachen wir von Warmbad auf. Der uns unbekannte Weg war uns kenntlich gemacht durch die Spuren eines größeren Ochsentrans­portes, der etwa acht Tage vorher von Blydeverwacht nach Warmbad gekommen war. Gegen Mittag erreichten wir die Stelle, wo die erste Signalstation errichtet werden mußte. Da es hier kein Wasser gibt, mußte die Station während ihres neunwöchigen Bestehens von Warmbad, also von einem etwa 25 Kilometer entfernten Orte aus, mit Wasser versorgt werden (! d. H.). Jeden zweiten Tag brachte eine Eselkarre ein großes mit der kostbaren Flüssigkeit gefülltes Faß.

y Schultz wurde nach 7'/z Jahren Dienstzeit zum überzähligen Feldwebel ernannt, er hat das Militärehrenzeichen 2. Klasse und wurde zur 1. Klasse eingereicht. (D. H.)