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Wäre gleichbedeutend mit Selbstmord gewesen. Wir stellten nun die Anzahl der Feuer auf 15 fest, was auf die Stärke von mindestens 60 Hottentotten schließen ließ.
II.
Eine angenehme Überraschung.
Trotz der gefährlichen Lage, in der wir uns befanden, konnten wir uns doch nur mit Mühe des Schlafes erwehren. Wenn man aber fast zu jeder Stunde mit der Möglichkeit eines plötzlichen feindlichen Angriffs rechnen muß, dann verliert auch bald eine unmittelbare Lebensgefahr ihre Schrecken.
Während abwechselnd immer zwei von uns wachten, konnten die andern beiden sich der Ruhe hingeben. Der anbrechende Tag aber fand uns alle vier mit schußbereitem Gewehr in den Schanzen liegend vor. Jetzt muß sich unser Schicksal entscheiden! Wenn uns nicht jetzt bald die Kugeln um die Ohren Pfeifen, dann wissen sie nichts von unserer Anwesenheit, dann sind wir gerettet. Doch halt! Noch eine Möglichkeit gibt es. Die Kerls denken: wir müssen doch ans Wasser kommen, und dann haben sie leichteres Spiel, als wenn wir in den Schanzen liegen. Damit haben sie auch ganz recht. Und um nach längerem Warten endlich eine Entscheidung herbeizuführen, gehe ich mit Sergeant Marx nach dem Wasser, vollständig darauf gefaßt, bei diesem Versuch mein Leben einzubüßen.
Scharf ausschauend, das Gewehr schußbereit in beiden Händen, gingen wir vorwärts. Plötzlich sehe ich in der Gegend, wo die Nacht über die Feuer brannten, Pferde und Maulesel weiden und einige Hottentotten dazwischen herumlaufen, damit beschäftigt, die Tiere zusammenzutreiben. Fast im selben Augenblick stößt mich Sergeant Marx an mit den schnell geflüsterten Worten: „Hier rechts, Herr Leutnant!" Ich fahre wie der Blitz mit dem Gewehr herum, in der Erwartung, daß wir von rechts angegriffen würden. Wer beschreibt aber mein Erstaunen, als ich etwa 30 Schritt rechts von uns zehn reichsdeutsche Soldaten aus den Büschen des Riviers auf uns zukommen sehe. Ein Feldwebel — Ringleib heißt dieser rettende Engel — tritt an mich heran und meldet: „Zehn Mann der 3. Ersatzkompagnie auf dem Wege nach Duurdrift." Ich wäre ihm beinahe um den Hals gefallen. Er muß uns Wohl in diesem Moment für verrückt gehalten haben. Als ich ihn fragte, wo er herkäme, erzählte er in aller Eile, daß die 8. Kompagnie unter Hauptmann von Lettow bei einem. Streifzug am vergangenen Abend unterhalb Duurdrift auf die frischen Spuren der Hottentotten gestoßen und diesen sofort gefolgt sei. Als die Kompagnie dann nach Mitternacht ebenfalls die Feuer bemerkte, blieb sie in angemessener Entfernung und guter Deckung halten, und Hauptmann von Lettow ließ den Feldwebel Ringleib, der mit seinen 10 Mann eine weiter unterhalb gelegene Wasserstelle besetzt hielt, zur Verstärkung heranholen. Daher unser Zusammentreffen. Ringleib fügte noch hinzu, der Herr Hauptmann hätte ihm auf den schriftlich gesandten Befehl noch mitgeteilt, daß er bei Tagesanbruch den Feind angreifen werde.
Ehe der brave Feldwebel noch ausgesprochen hat, wird auch das Gefecht schon durch ein heftiges Schnellfeuer eingeleitet. Nun sehen wir auch vor uns die Schützen der 8. Kompagnie, und schnell laufen wir alle dahin, um uns am Gefecht zu beteiligen.
Hauptmann von Lettow, den ich durch einen Steinsplitter im Auge schwer verwundet antraf, hatte einen Zug seiner Kompagnie unter Leutnant Erhardt dem Feind in den Rücken geschickt, mit zwei Zügen unter Oberleutnant Schweiger und Leutnant Ebeling hatte er ihm den Weg nach Osten verlegt und mit dem Rest hielt er selbst die Höhen, die den Gegner vom Wasser trennten, besetzt.
Die Hottentotten mußten sich mit dem ihnen aufgezwungenen Gelände, so gut es ging, abfinden; und sie hatten Glück, denn die Stellung war durch starke Klippen wie durch