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Nachdem die Station eingerichtet war, rückten wir, d. h. außer mir noch drei Signalisier! und eine von zwei Kapboys bediente Mauleselkarre, die die Signalapparate trug, am Nachmittag weiter gen Osten. Spät in der Nacht kamen wir nach Velloor, wo wir die Tiere tränkten und einige Stunden ruhten.
Als wir gegen 4 Uhr morgens am folgenden Tage aufbrachen, entdeckten wir die frischen Spuren von Reitern und Fußgängern, die von 50 bis 60 Hottentotten herrühren mußten und in derselben Richtung führten, die auch wir einzuschlagen hatten. Erleichtert atmeten wir auf, als wir nach einigen Stunden Marsches bemerkten, daß die Bande in südöstlicher Richtung auf Udabis abgebogen war.
Es war bereits dunkel geworden, als wir von der Hochfläche nach dem Hamrivier hinabstiegen. Plötzlich — wir mochten noch etwa 500 Meter von der im Flußbett gelegenen Wasserstelle Duurdrift entfernt gewesen sein — machte mich Sergeant Marx, einer der drei Signalisier:, auf eine Anzahl Lagerfeuer aufmerksam, die wenige 100 Meter oberhalb der Wasserstelle und etwa 600 Meter von uns entfernt zu sehen waren.
Es war mir sofort klar, daß es Hottentotten sein mußten.
Von uns war Duurdrift nicht besetzt, das wußte ich; es fragte sich also nur, ob es vielleicht eine Patrouille von unseren Truppen wäre? Eine schwache Patrouille brennt nachts kein Feuer an, eine starke legt sich aus Wasser, um im Falle eines feindlichen Angriffs nicht von diesem abgeschnitten zu werden. Es mußten also Hottentotten sein, und zwar eine ganze Menge, da wir etwa 15 Feuer zählten. Eine sehr üble Situation für uns. Da wir so nahe daran waren, mußten wir bei der uns bekannten Wachsamkeit und Sinnesschärse dieser Kerls damit rechnen, von ihnen bereits bemerkt worden zu sein, zumal die schwere Karre beim Fahren über die Klippen mächtig gepoltert hatte. Was sollte nun geschehen? Wir hatten keinen Tropfen Wasser mehr bei uns; die Tiere waren gänzlich erschöpft und wären ohne Wasser sicherlich nicht mehr weit gekommen, so daß wir bei einem Zurückgehen auf Velloor der Tiere und somit auch der Signalapparate verlustig gegangen wären. Auf einem Umwege nach Blydever- wacht zu gelangen, konnten wir nicht wagen, da keiner von uns die Gegend kannte. Ich beschloß daher, obgleich ich mir wohl unserer verzweifelten Lage bewußt war, in dem sehr klippigen und mit vielen kleinen Koppjes bedeckten Gelände ein Versteck aufzusuchen und das weitere dem Schicksal zu überlassen. So ließ ich denn die Karre wenden; wir fuhren eine kurze Strecke zurück, bogen von der Pad ab in ein kleines Rivier hinein und mußten sehr bald an einer recht ungünstigen Stelle halten bleiben, da die Tiere das Weiterziehen verweigerten. So gut es ging, verschanzten wir uns in unserem Versteck, das höchstens 1000 Meter vom feindlichen Lager entfernt und so ungünstig gelegen war, daß wir im Falle eines Angriffs — und mit einen: solchen bei Tagesanbruch mußten wir sehr rechnen — mit Leichtigkeit von überhöhenden Kuppen aus abgeschossen werden konnten.
Mit zwei Signalisten versuchte ich noch, das Lager genauer einzusehen, was aber nicht gelang, da wir zu diesem Zweck sehr nahe hätten herangehen müssen, und das
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Leutnant von ReinerSdorü.