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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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natürliche Schanzen nach allen Seiten vorzüglich gedeckt. Das Gefecht dauerte den ganzen Tag bis gegen Einbruch der Dunkelheit; dann erst gelang es den Hottentotten, die überdies noch durch ein außerordentlich heftiges Gewitter begünstigt wurden, in dem sehr klippigen Gelände zu entkommen.

Der Gegner hatte außer seinen schweren Gefechtsverlusten, unter denen sich als Toter auch der Bruder des Morenga befand, noch den Verlust sämtlicher Reittiere nebst Sätteln und Zaumzeug zu beklagen. Auf unserer Seite war ein Feldwebel gefallen, Haupt­mann von Lettow, Leutnant Ebeling und ein Reiter schwer, sechs Reiter leicht verwundet.

So endete dieses Erlebnis, das unter so ungünstigen Voraussetzungen für uns be­gonnen hatte, mit einem schönen Erfolg über Morenga, der, wie sich später herausstellte, die Hottentotten selbst angeführt hatte.

von Reinersdorff,

ehem. Leutnant in der Feldsignalabteilung der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Leutnant im Dragoner-Regiment von Bredow (1. Schles.) Nr. 4.

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Zwei Bruder.

Im Generalstabswerke über die Kämpfe in Südwest heißt es auf Seite 282: Johannes Christian brach nach Osten durch und wurde am 16. Mai 1906 von

dem Leutnant Engler am Kameldornfluß festgestellt. Fest entschlossen, mit dem flüchtigen Gegner die Fühlung nicht mehr zu verlieren, folgte Leutnant Engler, ohne Rücksicht auf die ihm drohende Ge­fahr, der feindlichen Spur. Allein auch diese Braven sollte das Schicksal so vieler kühner deutscher Pa­trouillen ereilen; der tapfere Offizier wurde am 19. Mai mit seinen wenigen Reitern westlich Gais von den Hottentotten ausdemHinterhaltabgeschossen."

Über den braven Leutnant schreibt sein älterer Bruder in einem Privatbriefe:

Mein Bruder Kurt ist im Juni 1904 nach Afrika gefahren. Ich sagte ihm in Hamburg Lebe­wohl und versprach:Ich komme nach, und zwar sehr bald!" Er wollte es mir nicht glauben, aber als ich ihm von Okahandja im September 1904 heliographierte:Auf afrikanischem Boden gelandet, begrüße dich herzlich, Hurra!" da hat er gesehen, daß ich damals schon meinen Entschluß gefaßt hatte!

Über Jahr und Tag kämpften wir gemeinsam gegen den Feind, bis mein Bruder mit seinen drei Reitern den Heldentod fand. Oberstleutnant von Estorff sagt in einem Briefe an unseren Vater: Ich kannte ihn (Kurt Engler) schon lange und schätzte ihn, als einen unserer tüchtigsten Offiziere, Sauvtmann a. D. Engler. außerordentlich hoch. Er hatte als erster damals