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den Marsch der Hottentotten vom Fischfluß wieder nach Osten festgestellt. Die Spur führte westlich des Weges Kanus—Wasserfall auf die Kleinen Karrasberge. Ihr Sohn erhielt den Auftrag, nach Wasserfall zu reiten und die dorthin beorderte 2. Kompagnie 1. Regiments auf diese Spur zu setzen.
Er fand aber, daß die Spur inzwischen den Weg nach Kanus—Wasserfall nach Osten gekreuzt hatte — nicht sehr weit nördlich von Kanus — und folgte ihr nunmehr selbständige um den Verbleib der Hottentotten festzustellen. Es war ein sehr gewagtes Unternehmen, allein auf der frischen Spur zu folgen. Wenn ihm aber seine Absicht, den Verbleib des Feindes festzustellen, geglückt wäre, so hätte ihm sein überaus kühnes Handeln zweifellos hohes Lob eingebracht. Er wurde ein Opfer seines kühnen Mutes. Die Hottentotten müssen ihn bei dem schwierigen Gelände eher bemerkt haben, als er sie, und so gelang ihnen der Hinterhalt, dem er mit seiner kleinen Patrouille zum Opfer fiel. Die überaus große Gewandtheit der Hottentotten, verbunden mit dem für Verstecke so sehr geeigneten Gelände ist es ja leider, die uns die meisten und schwersten Verluste gebracht hat. — Eine stärkere Patrouille, von Kanus nachgeschickt, konnte nur den traurigen Ausgang feststellen. Ihr Sohn war, durchs Herz getroffen, gefallen und seine drei Leute mit ihm.
Er hat sich in jeder Beziehung vorzüglich bewährt, wurde von seinen Vorgesetzten hochgeschätzt, von seinen Kameraden geliebt und seinen Untergebenen verehrt. Er war oft in schweren und gefährlichen Lagen gewesen^) und hatte sich noch im März 1906 am Oranje^) besonders ausgezeichnet."
Oberstleutnant von Estorff erwähnt dann, daß er selbst beim Tode seines im April 1904 gefallenen jüngsten Bruders einen Trost gefunden habe in dem schönen Verse:
„Was wir bergen in den Särgen Was wir lieben, ist geblieben,
Trägt der Erde flüchtig Kleid! Bleibt in Ewigkeit!"
Engler,
Hauptmann in der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
Wenn aber der ältere Bruder nur über den Heldenmut des jüngeren berichtet, so ist es eine Pflicht des Herausgebers, zu erwähnen, daß auch Hauptmann Engler in einer Reihe von Gefechten — am 22. November 1904 bei Ku b, am 3. Januar 1905 bei Haruchas, am 6. Januar 1905 bei Gochas, am 7. Januar 1905 bei Zwartfontein — focht und sich als echter und treuer Bruder des Gefallenen bewährte. Im Stäbe des Oberst von Deimling, des so energischen Führers, hat er sich dessen volle Anerkennung erworben. Auch als äußere Ehrenzeichen wurden ihm, neben dem preußischen Schwertorden, das heimische — Königl. Sächsische — Ritterkreuz des Mbrechtsordens, die Österreichische Eiserne Krone, der Orden der Italienischen Krone usw. verliehen. Wo viele solche Brüderpaare, da hat die Vaterlandsliebe tief gewurzelt.
>) Er hatte sich bereits den Kronenorden und den Albrechtsorden, beide mit Schwertern, erworben.
-) Ein Mann war im Gefecht in den Oranjefluß gefallen. Im feindlichen Feuer, unter großer Lebensgefahr, rettete ihn Leutnant Engler. (D. H.)
Leutnant Kurt Engler.