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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Meine Herren, wir müssen uns rüsten; hier ein Telegramm: ,Die Stationen Waldau, Okasise von Schwarzen überfallen."'Verdammte Kerle!"Freche Bande! bei dieser starken Besatzung das zu wagen!" so tönte es im Kreise, und als es wieder ruhig geworden, erfuhren wir, daß eine Farm, etwa zwei Stunden südlich Okasise, niedergebrannt sei und die Räuber mit dem gestohlenen Vieh gegen 10 Uhr an den Stationen vorübergezogen wären. Der Farmer selbst sei hier im Ort.Was war aus seiner Frau geworden?" Das war wohl unser allererster Gedanke in Erinnerung an die Greuelszenen vom Januar v. I. Sogleich wurde die Station alarmiert, unser Eisenbahnkommandant, Leutnant Schneider, ließ ein Zwillingspaar die Maschinen für dasBähnele"heizen, der Zug wurde rangiert, und zur Vorsicht wurden zwei Schutzwagen, mit Schienen beladen, vor die Maschine geschoben; denn mit der Möglich­keit mußte ja am Ende gerechnet werden, daß die Schwarzen auch das Bahnzerstören hinzu­gelernt hätten und wir unser Ziel wohl nicht ohne Störung erreichen könnten.

Auf der Veranda des Eisenbahngebäudes stand die Frau eines Kameraden, die sich ihrem Manne eben vor seiner Abreise noch hatte antrauen lassen und ihm bis nach Windhuk das Geleit gegeben. Mit welchen Gefühlen mag sie diesen nächtlichen, kriegerischen Vor­bereitungen zugeschaut, mit welchen Gedanken bei ihrem Gatten geweilt haben!

Gegen 12 Uhr waren dieZwillinge" gestärkt zu der Fahrt, die Erwählten be­stiegen die Wagen, und hinaus ging es in die sternenklare, kühle Nacht. Je weiter wir aus die Höhe kamen, um so kälter wurde es. Immer schneller arbeiteten die Maschinen, so daß wir bald mit doppelter Geschwindigkeit (d. h. 20 Kilometer) dahinfuhren. Unheimlich erschallte ihr Geächze und Stöhnen in die schweigende Nacht, donnerten die Wagen über kleine Brücken, krachten die Räder gegen die Kopfenden der Schienen. Und noch ging es uns zu langsam. Die Ungewißheit ließ uns im Geiste die Strecke überfliegen, aber der Körper blieb an den

Zug gebannt.-Und immer weiter ging es, schneller sausten wir an den dunkeln,

schwarze Schatten werfenden Bäumen, an den geheimnisvoll rauschenden Sträuchern vorüber. Werden wir noch zur rechten Zeit ankommen, werden wir Rache nehmen können?

Nach einstündiger Fahrt machten wir endlich in Waldau, der einen der bedroht ge­meldeten Statio­nen, halt. Doch hier war alles ruhig gewesen, auf der Nachbar­station dagegen war heftiges Ge­wehrfeuer gehört. Dort war also Gefahr. Und noch einmal vernahmen wir die Kunde von dem Überfall der

Farm.-Da

löste sich aus unserer Mitte ein Schatten und wankte davon: der Farmer, der früh­morgens sein Weib und Kind, seine

Die von den Hercros bedrohte Station Waldau.