Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
270
Einzelbild herunterladen

270

Der erste leer; sein dürres Gesträuch zeigt, hell auflodernd, uns den Weg zu den übrigen. Auch

diese leer! Doch dort liegt etwas-ein

Hottentotte mit durchschnittener Kehle, in der Wunde noch das Messer. Ein Aberglaube der Hereros sagt, daß die Waffe beim Gemordeten verbleiben muß, sonst erleidet der Mörder durch sie selbst den Tod. Er war einer der Arbeiter, der seine Herrin Wohl hatte

schützen wollen. Sonst nirgends jemand.--

Drinnen im Hause lag der Farmer auf den Knien neben seiner Frau, er konnte nicht fassen, daß er sie so wiedersehen mußte, entkleidet, hingeschlachtet von den Bestien und daneben das wimmernde, zwei

Monate alte Kindchen.-

Der Hauptmann zog zurück zur Station, um weitere Anordnungen zu treffen. Leutnant Müller und ich blieben mit einigen Soldaten zurück. Vor dem Hause stand ein alter, breitästiger Akazien- baum, unter dem die Gemordete so manches Mal mit ihrem Manne, ihrem Kindchen so glücklich ge­sessen hatte; unter diesem sollten wir sie nun betten! Eine unsäglich traurige Arbeit. Dornengestrüpp, auf das Grab gesteckt, sollte sie vor den gefräßigen

Hyänen und Schakalen schützen.-

Dann ging es mit dem Manne, dem Kindchen in Kissen gehüllt zurück, hinein in den dämmernden Morgen, in die erwachende Natur. Bald tauchte die rotleuchtende Sonne hinter den

Bergen hervor, Leben erweckend.-Und

ich gedachte des Bibelwortes:Denn Er läßt seine Sonne aufgehen über Gute und Böse."

Aus dem Tagebuche des Feuerwerksleutnants Engel, ehem. in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Hannover.

* rir

*

Ach wäre es doch Abend und die Preußen kämen!"

Heiß schien die Mittagssonne am 27. Juni 1905 auf die ermatteten Kämpfer herab. Wir hatten uns bis dahin gegen eine vierfache Übermacht tapfer verteidigt und die Hotten­totten wiederholt aus wohlverschanzten Stellungen geworfen. Unser geliebter Führer, Hauptmann Pichler, war als erster gefallen. Von unserem 68 Mann starken Detachement waren bereits 20 Mann kampfunfähig, als der Befehl gegeben wurde, Keidorus zu stürmen, das inmitten der Fischflußberge liegt. Ich befand mich beim Zuge des Leutnants von Gersdorff. Wir hatten die Aufgabe, den linken Flügel des Feindes anzugreifen. Die Berge, über die wir vor­gehen mußten, waren wohl bis 1000 Fuß hoch und mit losem Geröll besät, was den Auf­stieg besonders erschwerte. Mit Aufbietung aller Willenskraft war es mir gelungen, allen voran, die letzte Höhe zu gewinnen, und das war unser Glück; denn der Feind war bereits im Anzüge und hätte sicher unsern Zug dem Untergang geweiht. Lebhaft fing ich sofort an zu feuern

FeuerwerkSIcutnant Engel.

ck' '-L

'-7