273
uns wir befanden »IIS in wenigen Minuten am feindlichen Lager.
M
Afrikanische Biwaksnacht einer Patrouille.
Am 2. September 1904 befanden wir uns auf einem Patrouillenritt vonOparakane nach Epata. Wir hatten gegen Mittag eine kleine Wasserstelle, Okawehonina, erreicht und dort einige Stunden gerastet. Um 4 Uhr nachmittags brachen wir nach Okatawbaka auf, wohin uns ein unterwegs gefangen genommener Buschmann führen sollte. Eine nur schwer erkennbare alte Pad führte durch eine weite, sandige Grassteppe, die sich bis zum Horizont ausdehnte und nur ab und zu von meist niedrigem Buschwerk durchsetzt war. Die Sonne hatte tagsüber heiß gebrannt und begann nun im Westen zu verschwinden. Wir erreichten alsbald einen dichten Busch, vor dem einzelne frische Viehspuren unsere Aufmerksamkeit erregten. Vorsichtig hineinreitend, trafen wir alsbald auf zahlreiche neue Vieh- und Menschenspuren, die auf die Nähe einer Wasserstelle und eines größeren Hererolagers hinwiesen. Es war noch zu hell für eine weitere Erkundung in diesem dichten Buschwerk, in dem eine Orientierung sehr schwer ist und eine Patrouille dem Späherblick der Eingeborenen nicht verborgen bleiben kann. Es mußte eine Passendere Zeit gewählt werden, die für eine genauere Beobachtung Gelegenheit bot. Erfahrungsgemäß sind die Posten, die die Hereros ausstellen, am Tage und in der Nacht wachsam, nur gegen Morgen pflegt alles sanft zu schlummern.
Wir ritten nun zu unserer alten Wasserstelle Okawehonina zurück, wo wir bei anbrechender Dunkelheit eintrafen.
Tagsüber hatten wir uns bei zirka 40° 0 ganz wohl gefühlt; denn diese Temperatur ist in der trockenen afrikanischen Höhenluft gar nicht so unerträglich.
Nach Sonnenuntergang erhob sich ein eisiger Südsturm, der über die flache Steppe, die weder Menschen noch Tieren irgendwelchen Schutz bot, mit ungehemmter Gewalt dahin- brauste. Wir hatten uns ein kleines Loch gegraben und Feuer darin gemacht, um durch heißen Kaffee die erstarrenden Glieder von innen zu erwärmen; denn es war bitter kalt geworden, und das Thermometer auf 1 bis 2 ° 0 gesunken. Gegen den quälenden Hunger mußte der Schlaf helfen, da das kleine Quantum Reis, Mehl und Oornoä Pool, das wir in einer Packtasche mitführtcn, noch zwei Tage reichen sollte. Unterdessen war es ganz dunkel geworden, der Mond schien nicht, nur die Sterne strahlten in prachtvoller Klarheit über unserem kleinen
Deutsche Reiter in Südwcsl. b6