278
sich in der Richtung aus Kalkfontein zurückgezogen und die 7. Kompagnie den Befehl erhalten habe, ihn dort anzugreifen. Rietmont, die Residenz Hendrik Witboois, in der als erstes Opfer des Krieges gegen die Hottentotten der tapfere Distriktshauptmann von Burgsdorff durch Mörderhand fiel, sei daher vermutlich vom Feinde unbesetzt. Um dieses festzustellen, ritt unsere Patrouille ungesäumt nach dem etwa I sig Stunden entfernten Naris in südöstlicher Richtung weiter. Auch dieser Platz, den wir um 10 Uhr vormittags erreichten, war unbesetzt, schien jedoch gleichfalls erst kürzlich eiligst verlassen zu sein. Mit dieser Nachricht versehen,wurde sofort einePatrouille von zweiMann an Oberst Teimling zurückgesandt. Kurz nach Mittag bemerkten wir eine Witbooipatronille, die sich jedoch nach kurzem Gefecht mit Hinterlassung von sechs Pferden in eiligster Flucht zurückzog. Unsere in der Richtung auf Rietmont aufgenommene Verfolgung blieb ohne Erfolg.
Nach kurzer Rast am Nachmittage, bei der jedoch die Pferde unter Sattel blieben, beobachteten wir bei weiterem Vorrücken im Südvsten ausgedehnte Staubwolken und erkannten alsbald die Häuser der Farm und die alte Station Mariental.
Die Staubwolken rührten von starken Herden an Groß- und Kleinvieh her. Auch einen Reitertrupp, ungefähr 50 Pferde stark, sahen wir in der Richtung Naris. Weiteres Vordringen auf das etwa noch ^ Stunden entfernte Rietmont verhinderten in dieser Richtung auftauchende einzelne Witboois, die uns anscheinend beobachteten. Da die Dunkelheit allmählich hereinbrach, war es unmöglich festzustellen, ob es nur einzelne Reiter waren oder größere Abteilungen, und so sahen wir uns veranlaßt, mit der Patrouille zurückzugehen, um nach halbstündigem Ritte ungefähr ein Kilometer nördlich vom Wege NariS—Rietmont haltzumachen. Den Unteroffizier der Landwehr Melchior schickten wir mit drei Mann an Oberst Teimling zurück, um unsere Meldung zu überbringen und gleichzeitig um Verstärkung zu bitten.
Wie in der vergangenen Nacht sicherte sich unsere Patrouille auf folgende Weise: Ein Drittel der Mannschaften ließ die Pferde am Zügel weiden, das zweite Drittel bildete eine Postenkette um die Lagerstätte, während die übrigen Mannschaften ruhten. Bei jeder Gruppe befand sich ein Unteroffizier. Stündlich wurde gewechselt, und ebenso wechselten Leutnant von der Marwitz und ich stündlich im Nachtdienst ab. Am Freitag, dem 2. Dezember, früh 3,00 Uhr, suchten wir im weiten nördlichen Bogen den Rand des nach Rietmont abfallenden Kalkbcrges zu erreichen, um bei TageSgrauen die Werft beobachten zu können. Nach einstündigem Ritt erreichten wir unser Ziel, stellten die Pferde in einen: Gebüsch versteckt auf und gingen Oberleutnant H. Auer von Herrenkirchen.
- ^ 1
Leutnant Kurt van der Marwitz