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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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dann, d.h. Leutnant von der Marwitz, ein Kriegsfreiwilliger namens Loewcuich, ein Bur und ich, zu Fuß zur weiteren Rekognoszierung vor. Wir hatten uns kaum 200 Bieter vorgeschlichen, als Leutnant von der Marwitz am abfallenden Rand vor uns einen an seinem weißen Hut erkennt­lichen Witbooi entdeckte, der vorsichtig seinen Kopf zur Beobachtung hob. Wir warfen uns sofort zu Boden und feuerten. Im gleichen Augenblick aber eröffnete auch der Feind, der, allerorts ver­deckt, knapp 50 Meter vor uns in Schützenlinie lag, ein außerordentlich starkes Feuer auf uns.

Gleich einer der ersten gegnerischen Schüsse sollte leider verhängnisvoll werden. Durch den Kopf getroffen, sank der Führer der Patrouille, Leutnant von der Marwitz, der kniend geschossen hatte, lautlos zu Boden, um nie wieder aufzustehen. Hilfe konnten wir ihm nicht bringen, obwohl er nur wenige Schritte von mir entfernt lag, und wir mußten, als das feindliche Feuer sich immer mehr verstärkte und unsere Pferde fortliefen, den entseelten Körper 'unseres braven Kameraden, der seine Tapferkeit mit dem Heldentode besiegelt hatte, dem Feind überlassen.

Im Begriffe, uns zurückzuziehen, erhielt auch ich einen Schuß durch den linken Oberschenkel, während der Bur gleichfalls durch zwei Schüsse an den beiden Oberschenkeln und einen Streifschuß an der Hand verwundet wurde. Die Pferde hatten sich, wie schon gesagt, durch das heftige Feuer deS Feindes erschreckt, losgerissen, und da auch vom Gros der Patrouille fünf Leute gefallen waren, konnte der Rest sie nicht am Davonjagen verhindern.

Ein Teil wurde jedoch durch einige Leute gekehrt und festgehalten. Bei der vollständigen Überlegenheit und der verdeckten Stellung des Feindes sah ich wegen der beträchtlichen Verluste keine Möglichkeit eines weiteren Widerstandes und versuchte, nach­dem wir die Pferde eingefangen hatten und auf­gesessen waren, indem ich den Kriegsfreiwilligen Loewenich und den verwundeten Buren an die Spitze kommandierte, die Abteilung in der Richtung Dabib zurückzuführen. Dies gelang mir unter ständigem starken Verfolgungsfeuer des Gegners, der uns in der Flanke durch vorgeschickte Reiter, die in geschickter Weise Stellung zu finden wußten, hart bedrängte. Zunächst kamen wir bis kurz vor NariS, das wir iu nördlicher Richtung umgingen. Etwa Isig Stunden nach Sonnen­aufgang erreichten wir Dabib, wo die inzwischen uns zur Verstärkung nachgeschickte Patrouille des Leutnants Grafen von Hardcnberg die rückwärtige Sicherung übernahm, so daß wir nun end­lich an das Verbinden der Verwundeten gehen konnten. Zu ihnen gehörten außer dem Bur und mir zwei weitere Leute, von denen der eine einen Arm-, der andere einen Milzschuß davongetragen hatte.

Zugleich mit meiner schriftlichen Meldung an Oberst Teimling bat ich um Vorsendung eines ArzteS, der auch bald eintraf. Mein Verband, den ich mir nach zwei Stunden provisorisch selbst umgelegt hatte, lag gut, so daß vorläufig nichts daran geändert wurde. Schlimmer daran war der durch die Milz geschossene Gefreite Geißler, der an Ort und Stelle operiert werden mußte. So gut eS ging, wurden wir zunächst alle in einer kleinen zerstörten Farm untergebracht.

Hellmut Aucr von Herrenkirchen, ehem. Leutnant der Kaiser!. SchntztrnPPc f. D.-Südwestafrika.x».

BastarSreiter.