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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Nachzüglerbande von etwa 15 bis 20 Köpfen ein heftiges Feuer eröffnete. Unter Zurücklassen der Bagage und ihrer Toten, drei an der Zahl, waren die übrigen sehr schnell im Busch ver­schwunden. Wir vermuteten, daß sie den schleunigen Anschluß an die Hauptmasse zu gewinnen suchten. Unversehrt durften ihre Habseligkeiten keinesfalls bleiben. Jegliches Existenzmittel mußte dem stolzen Volk geraubt werden, um es zur Unterwerfung zu zwingen. Mit der nötigen Vorsicht, d. h. einer sicherte und einer hielt die Pferde, ging man aus Werk. Nr. 3 nahm die Durchsuchung des Gepäckes vor, schichtete alles Verbrennbare auf einen Haufen und bereitete in größter Eile die Entzündung des kunstvollen Scheiterhaufens vor. Dabei lief, wie so häufig in der Aufregung, eine grobe Unvorsichtigkeit mit unter. Nr. 3 steckte nämlich die erhebliche Menge

Pulvers, die er gefunden, ohne besondere Vorrichtung oder Leitung mit der Hand an. Durch einen mächtigen Satz entzog er sich noch gerade der heftig empor­sehenden und spritzenden Flamme. So wurde er zum Glück nur wenig versengt. Die Spuren der Explosion trug er später auf dem Rückenteil und den Ärmeln seiner Uniform zur Erinnerung weiter. Senkrecht war die Feuer- und Rauch­säule hochgestiegen und im Lager, ebenso wie das vorherige Schießen, bemerkt worden. Die Pferde hatten sich erschreckt losgerissen und waren abgaloppiert. Zum Glück fanden wir sie aber bald wieder, und zwar friedlich weidend im Grase. Nunmehr ritten wir den Hauptspuren nach. Als wir uns dabei einem sehr dichten und hohen Gebüsch näherten, knatterte plötzlich eine rollende Salve los, deren Geschosse zum Teil aus Donner­büchsen oder Paviansplautzen, so nannte man die großen Kaliber, herrührten. Herunter von den Pferden und Abgabe von Schnellfeuer war das Werk eines Augenblickes. Zu erkennen war natürlich nichts. Wir befanden Ms somit in einer recht unangenehmen Lage und entzogen uns der gefährlichen Umklammerung, heftig weiterfeuernd, durch deu Rückzug nach Süden. Seitlich von uns bewegte man sich ebenfalls dorthin. Es war der mit fünf Mann zu unserer Verstärkung ausgesandte Sergeant Brückhändler. Bald wurde die Patrouille von der inzwischen mit einem Maschinengewehr zu Fuß ausgerückten Kom­pagnie aufgenommen. Es wurde nun festgestellt, daß Reiter Urschlächter, der kräftig auf die schwarzen Halunken in bayrischer Mundart schimpfte, am linken Knie erheblich verletzt war. Dem Reiter Behr war der linke Stiefelabsatz abgeschossen, zwei Pferde waren verloren und eins verwundet. Für die Kürze der Zeit bedeutete das entschieden einen starken Ausfall an Gefechtskraft. Man schätzte die Bande nach dem heftigen Gewehrfeuer und den Spuren auf 200 bis 300 Köpfe mit wenig Vieh. In der Nacht meldete die 10. Kompagnie, die etwa 50 Kilometer südöstlich von uns lag, daß eine starke Hcrerobande vom Objosondjou-Omu- ramba nach Westen zöge. Am 4. oder 5. November sollte von dort aus vorgegangen werden;

Leutnant von Milzlaff schneidet dem Oberleutnant Äralnner-MöUen- bera die Haare. Oberleutnant Holil steht daneben.