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die 9. Kompagnie wurde zum Mitwirken aufgefordert. Da unser Hubertuserlebnis gut zu den Nachrichten stimmte — unvermutet hatten wir scheinbar die gemeldete Bande aufgestöbert —, so beschloß der Hauptmann von Klitzing mit allen verfügbaren Kräften der 9./1. und der Maschinengewehrsektion anzugreifen. Trotz frühzeitigsten Aufbruchs am Morgen des 4. November fanden wir das Nest vom 3. November leer. Es galt also den Spuren folgen, die sich mehrfach zweigten. Nur zwei kleine Nachzüglertrupps, von denen sieben Männer erschossen wurden, holten wir ein. Hierbei beobachteten wir, wie geschickt sie sich auf der Flucht der Waffen entledigten. Nur ein Gewehr erbeuteten wir mit Mühe, dagegen viel Munition, die von Weibern getragen wurde. Endlich gelangten wir, nach Westen abbiegend, auf eine Pad, und zwar die, welche die Hereros vom Waterberg her im August getreckt waren. Grauenvoll war der Geruch und der Anblick der unzähligen Viehkadaver an der Wasserstelle Okasjawewa, wo aus einem freigemachten Loch getränkt wurde. Durch Hitze und Anstrengung stark ermüdet, kehrten wir am Spätnachmittag mit drei eingefangenen Bambnsen nach Okunjahi zurück.
So verlief unser Hubertustag 1904 im Sande und Sandfelde."
Krahmer-Möllenberg,
ehem. Oberleutnant der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.
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Die gestohlene Kuh war da! Aber-
Gegen Ende des 'Jahres 1905 wurde ich nach dem Viehposten Khabus bei Keet- mannshoop versetzt, der damals fast nur mit felddienstunfähigen Leuten und ebensolchen Reittieren belegt war. Zur Schonung und Erholung! Aber die seinerzeit überall von Hottentotten ausgeführten Diebstähle verschonten auch diese Station nicht und sorgten so dafür, daß Reiter und Pferd von der Erholungsstation nicht immer den erhofften Vorteil hatten. Welchen Strapazen die Mannschaften auch hier ausgesetzt waren, mag eine zum Teil erfolgreiche Patrouille zeigen, die ich am 16. Dezember mit sieben Freiwilligen reiten mußte, von denen einigen jede körperliche Anstrengung verboten war.
Am 15. abends hatte mir der benachbarte Farmer Wirtz gemeldet, daß ihm am 14. eine Kuh gestohlen sei.
Sobald brauchbare Pferde von der Weide herbeigeschafft waren, wurde die Verfolgung aufgenommen. Die Mitwirkung des ortskundigen Farmers erleichterte diese insofern, als ich mich, von der Spur abweichend, direkt nach dem Schlupfwinkel der Hottentotten, der verlassenen Wasserstelle Blaukehl, wenden konnte. Hier lagen in einer Entfernung von etwa 300 Metern zwei Riviere mit je einem Brunnen.
Flußbett und Umgebung waren ausgedehnt mit Strauchwerk und Bäumen bewachsen. Da wir erst zur späten Mittagszeit, einer der herrschenden Hitze halber ungeeigneten und ungewohnten Marschzeit, dort ankamen, so war unser Abmarsch nicht bemerkt worden, obwohl dieser über weite Ebenen stattfand. Sofort gingen wir gegen den ersten Brunnen vor.
Er war unbesetzt, zeigte aber in nächster Umgebung frische
Fußspuren. Während deren Untersuchung waren die Reiter cberveterinär Wender»»,!,.