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bekleidet, während die anderen tadellos gewaschene Truppen- anzüge anhatten. Bei unserem Weitermarsch verschmähten es die stolzen Großmänner nicht, bei uns nm Kost zu betteln, die ihnen auch bereitwilligst gegeben wurde. Unter allen erregte ein junges, bis zum Skelett abgemagertes Weib das Mitleid aller Kameraden. Mit kindlicher Liebe führte sie ihre alte, erblindete Mutter an einem Ochsenricmen nach. — Männer und Weiber hegen das gleiche Interesse für Tabak. — Einsam in der Wildnis, bei Owikokorero, lag ein Grab, von einem Dornbuschkral umgeben. Ein roh zusammengezimmertes Kreuz mit Inschrift zeigte uns, daß hier Hauptmann von Franyors ruhe. — Das scheußliche Regenwetter hielt noch immer an, von uns spaßhalber „Glasenappsches Wetter" genannt. Das Fortkommen war auf der vollständig durchschlagenen Pad sehr erschwert. Die Riviere sind keine Sandriviere mehr; trübe, schlammige Wassermengen wälzen sich unter Tosen und Brausen den Flußlanf entlang. Unsere Sorge ist nur, durch den Swakop zu kommen. — Gestern, gerade beim Kaffeetrinken, machte sich in unmittelbarer Nähe ein pestilenzialischer Gestank bemerkbar; wir sanden hinter einem Busche, nur wenige Schritte von unserem Lager entfernt, einen toten Herero. Der Kopf war vom Rumpfe getrennt, und der Körper infolge der Hitze und des Regens stark aufgetrieben. Wir machten uns mit Schaufeln daran, den Leichnam zu beerdigen, worauf wir uns wieder zum Kaffeetrinkcn setzten. So abgestumpft ist man schon. — Am 12. Februar 1905 kamen wir wieder in Okahandja an, nachdem wir den Swakop glücklich durchkreuzt hatten. Allerdings hatten wir von 150 Gefangenen nur 90 mitgebracht, da die übrigen vor Ermattung elendiglich umgekommen waren. — In Okahandja erfuhren wir unsere Versetzung nach dem Süden, worüber wir uns
Gefreiter Paul Harrland.
natürlich sehr freuten.
Paul Harrland,
ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika, z. Zt. Tangermünde.
Aus der Spur der Mörder.
Bei Kawigaus, 19. August 1905.
Am 15. August 1905 ritt Herr Generaloberarzt Dr. Sedlmayr unter Begleitung seiner zwei Burschen von Warmbad nach Ramansdrift ab. Noch am selben Tage kamen die Burschen wieder zurück mit der Meldung, daß der Herr Generaloberarzt erschossen worden sei. Sofort wurde eine Patrouille von drei Unteroffizieren und sieben Reitern, zu denen auch ich zählte, weggeschickt, den Feind auszusuchen. Nach etwa vierstündigem Ritte kamen wir an der Stelle an, wo der Gencraloberarzt erschossen wurde. Auch das Pferd lag tot am Boden, — daneben zwei Ochsenwagen, die zerschlagen und halb verbrannt waren. Der Proviant war geplündert. Die Spuren zogen sich in südöstlicher Richtung nach den Oranjebergen. Die Leiche des Herrn Generaloberarztes wurde auf einer Eselkarre nach Ramansdrift gebracht. Da es bereits Nacht wurde, konnten wir die Spuren am selbigen Tage nicht weiter verfolgen. Die Nacht über blieben wir liegen; die Pferde wurden hinter einer kleinen Anhöhe festgebunden und bekamen