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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Grenzstation Ramansdrist.

etwas Hafer, den wir von Warmbad mitgenommen hatten. Wir selbst legten uns auf die Anhöhe. Es wurde ein Doppelposten aufgestellt mit einstündiger Ablösung. Die Nacht verlies ruhig. Am andern Morgen verfolgten wir die Spuren weiter; sie zogen sich meist in Schluchten entlang und über kleine Anhöhen. Es war so um 9 Uhr morgens, als wir vom Feinde Feuer bekamen. Unsern Auftrag, den Feind aufzusuchen, hatten wir erfüllt; in ein Gefecht sollten wir uns nicht einlassen. Zur selben Zeit, da wir unterwegs waren, hatte sich ein Detachement gebildet, das Major Traeger befehligte. Diesem Detachement wurden wir als Spitze zugeteilt. Es bestand aus der 10. Kompagnie, der 3. Kompagnie, einer Maschinen­gewehr-Abteilung, der 9. Batterie und den Mannschaften der Etappe Warmbad. Am 17. August rückte das Detachement von Sandfontein ab. Der Weg war sehr beschwerlich. Die ganze Nacht vom 18. auf den 19. ritten wir und kamen am 19. morgens in die Nähe des Feindes. Die Spuren waren meistens noch frisch und zogen sich in eine tiefe Schlucht. Es wurden drei Patrouillen von je einem Unteroffizier und zwei Mann vorgeschickt. Eine Patrouille ritt in der Schlucht ent­lang, eine links und eine rechts von der Schlucht. Ich war bei der linken Seitenpatrouille. Der Weg.wurde immer beschwerlicher. Es konnte so gegen 10 Uhr morgens sein, als Plötzlich fünf bis sechs Schüsse auf uns abgegeben wurden. In demselben Augenblick fiel mein Kamerad, der rechts von mir ritt, vom Esel. Der Unteroffizier, links von mir, drehte sein Pferd um und ritt zurück. Auch ich wollte mein Pferd wenden, es stürzte aber im selben Augenblick, so daß ich mit dem linken Fuß darunter zu liegen kam. Als ich mich frei gemacht hatte, lief ich zurück, war aber noch keine 10 Schritte gelaufen, als mir plötzlich einfiel, daß mein Gewehr noch am Sattel im Gewehrschuh steckte.Was Teufel, was nütze ich in dem Lande ohne mein Gewehr?" so dachte ich, und schon sprang ich zurück, riß mein Gewehr aus dem Gewehr­schuh heraus, und lief dann zu dem Detachement. Als ich bei diesem ankam, war der

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