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größte Teil des Tetachements ausgeschwärmt. Ich lief zur Abteilung, der ich angehörte, und ging wieder mit vor. Wir waren noch keine 200 Meter vorgerückt, als wir von vorn und von rechts Feuer bekamen. Sofort ließ der Major die 3. Kompagnie nach rechts schwenken. Zugleich wurden von der 3. Kompagnie mehrere Leute verwundet. Später wurde auch der Major durch einen Streifschuß an der Hand verletzt. Wir lagen schon zwei Stunden im Gefecht, als erst die Maschinengewehre in Funktion traten. Auch die Artillerie kam erst lange nachher zum Schießen, da das Gelände sehr schlecht war, und die Geschütze von einem Felsen zum andern hochgezogen werden mußten. Im Laufe des Nachmittags rückten die einzelnen Abteilungen noch mehrmals vor. Es war eine glühende Hitze. Wir lagen im Feuer, bis die Sonne unterging. In der Nacht ging der Feind zurück, und der Wassermangel zwang unsern Führer, die Verfolgung aufzugeben. Der Feind war ungefähr 450—500 Mann stark. Von unserer Seite fiel Reiter Hesse. Major Traeger, Hauptmann von Zwehl, Unteroffizier Theuß und neun Mann wurden verwundet. Nach schwerem Marsch kamen wir in Gaobis an, wo wir endlich Wasser erhielten. Die Verluste des Feindes konnten nicht festgestellt werden.
Karl Hubert,
ehem. Gefreiter der Kaiserl. Schutztrnppe f. D.-Südwestafrika.
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„Uns gehörte der Platz!"
Episode aus dem Gefecht bei Otjihinamaparero am 25. Februar 1904.
Major von Estorff hatte Meldung, die Omaruruhereros lagern an der Wasserstelle Otjihinamaparero. Am 24. Februar marschierte er mit der Kompagnie Franke und der 4. unter Oberleutnant Freiherrn von Schönau-Wehr und mit drei 73er Feldgeschützen, einer Gebirgs- und einer Maschinenkanone auf Otjipaue ab. Dort, an der letzten Wasserstelle, noch 30 Kilometer von Otjihinamaparero, rasteten wir — zusammen 164 Mann und 12 Offiziere — bis nachts 1 Uhr; dann ging's vorwärts. Um 8 Uhr früh erreichte meine Kompagnie — Franke — eine Werft, hinter der sich eine wenigstens drei bis vier Kilo- meter lange, steile, zerklüftete Felswand hinzog. Es wurde viel Vieh gesehen', und bald wurden wir auch der feindlichen Schützen gewahr, die sich an den zackigen Felsrändern eingenistet hatten. Mitten zwischen der formidablen Stellung, hinter einer Schlucht, lag die Wasserstelle, das wußten wir. Der Feind war uns an Zahl mindestens zehnfach überlegen, das wußten wir aber auch.
Aber wenn man unter Führern wie von Estorff und Franke dient, dann verschlägt das nicht. Unsere Kompagnie wurde gegen den feindlichen linken Flügel dirigiert. Da lag eine vorgeschobene Erhöhung, ein Koppje, aus der warfen wir die Hereros mit Sturm heraus und konnten nun einen Teil der Felsenstellung flankieren. Zwei Geschütze waren auch aus unserem Flügel, die übrigen drei auf dem linken, wo die 4. Kompagnie focht. Bon dem gutgedeckten Feinde war wenig zu sehen, aber wir waren fast ohne Deckung; dazu die Bärenhitze und mörderischer Durst. So lagen wir viele Stunden lang im Feuer, ohne recht vorwärts zu kommen. Da kam eine Ordonnanz oder ein Offizier angejagt und meldete, die Hereros hätten auf ihrem rechten Flügel Verstärkung bekommen und umgingen unsern linken mit bedeutender Übermacht. Im Nu war Hauptmann Franke auf dem Pferde. „Ein Zug bleibt hier und hält die Erste dauernd unter Feuer!" Uns andere nahm er mit, und im Galopp ging's nach dem linken Flügel, immer von den Höhen aus beschossen.
Wir kamen noch gerade recht, um der 4. Kompagnie zu helfen, deren Offiziere, Oberleutnant Freiherr von Schönau-Wehr und Oberleutnant Schultze, schwer verwundet auf