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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Offiziere wie Mannschaften waren des Lobes voll über Tom, der unermüdlich gewesen war, den Spuren der Hereros zu folgen. Aber Toms Kraft war auch erschöpft, er konnte nicht mehr zu Pferde steigen und bekam ein weiches Lager auf einem Ochsenwagen. Als wir das Feldlazarett Otjimbinde passierten, mußten wir ihn dort lassen, weil sich herausstellte, daß Tom schweren, langverschleppten Typhus hatte.

Leider konnte die beste Pflege den Kranken nicht mehr retten, nach wenigen Tagen ist er gestorben. Der Feldprediger, Offiziere und Mannschaften haben den braven Tom zur letzten Ruhe geleitet und ein Kreuz mit seinem Namen auf seinem Grab errichtet. Unvergessen bleibt er allen, die ihn gekannt haben.

R. Volkmann,

ehcm. Hanptmann der Kaiserl. Schntztrnppe f. D.-Südwestafrika.

*

Vorwärts aus die Düne!"

19. Mai 1905.

Wir lagen mit zwei Gebirgsgeschützen der 9. Batterie unter Leutnant Nohne (De- tachement Winterfeldt) in Dawignab an der Ostgrenze, als am 14. Mai 1905 folgender Befehl von Hanptmann Siebert eintraf:Detachement Winterfeldt trifft am 16., 5 Uhr nachmittags, in ,Kais< ein." Das Detachement bestand aus zwei 7 Zentimetcr-Gebirgs- geschützen der 9. Batterie und 30 Gewehren der 11. Kompagnie 2. Regiments. Nach sehr anstrengendem Marsche, meistens über hohe Sanddünen und Dorngestrüpp, trafen wir zur befohlenen Zeit dort ein. Morenga, der sich mit seiner Bande bei Kais aufhielt, war bei unserem Eintreffen nach der englischen Grenze abgezogen. Am folgenden Tage (denn unsere Tiere mußten unbedingt einen Tag Ruhe haben) rückten wir: zwei Gebirgsgeschütze der 9. Batterie, 30 Gewehre der 11. Kompagnie und 60 Gewehre der 3. Ersatzkompagnie, unter Befehl des Hauptmanns Siebert nach der englischen Grenze ab. Nachdem wir zwei Tage und zwei Nächte fast ununterbrochen marschiert waren, trafen wir am 19. Mai, vormittags, an der Wasserstelle LeukopZ ein. Durch Patrouillen wurde die Bande im Lager an der Grenze festgestellt. Der Stab ritt auf eine an der Grenze gelegene Anhöhe und gab bald darauf Befehl zum Angriff. Auf eine Entfernung von 2500 Meter eröffneten wir mit einem Geschütz das Gefecht; die Infanterie ging unter dem Schutz des Artilleriefeuers vor.

Leutnant von Knobelsdorff, 11. Kompagnie, mit zehn Mann und ich mit einem Geschütz vom Zuge des Leutnants Nohne unter meinem Befehl bildeten den linken Flügel, an die englische Grenze gelehnt. Gegen 12 Uhr mittags ging die Infanterie auf die vor mir liegende Sanddüne vor, und ich mußte das Feuer einstellen. Mein Zugführer, der tapfere und immer energische Leutnant Nohne, eröffnete nun das Feuer mit dem zweiten Geschütz auf dem rechten Flügel. Sofort machte sich der Einfluß bemerkbar.

Aufprotzen, vorwärts auf die Düne!" so lautete jetzt auch mein Befehl, und schon saßen die Kanoniere auf ihren Maultieren. Leutnant von Knobelsdorff zu Pferde, seine Leute zu Fuß, gingen in Schützenlinie 40 Schritt vor mir her.

Wir waren etwa 300 Bieter vorgegangen, als wir plötzlich mörderisches Feuer aus der linken Flanke erhielten; etwa 20 schwarze Halunken hatten sich zwischen uns und unsere Infanterie geschoben und feuerten auf ungefähr 60 Schritt. Zwei Tiere der Bespannung fielen sofort, und vier wurden schwer verwundet und mußten später erschossen werden.

Bitt Visier und Korn feuerte ich mit Granaten ins Gestrüpp, denn sehen konnte man die Kerls nicht. Gleich nach dem ersten Schuß erhielt der Richtkanonier Wildner einen

') Vgl. die Gefechtsskizze S. 128 .